Hayes – Giftiger Wein – Kapitel 11

Hayes – Giftiger Wein – Kapitel 11

Wasser glitzerte auf den grob behauenen Stufen, glitzerte an den Wänden, die älter schienen als die Burg selbst. Wo das Gebäude war, wussten sie nicht. Sie waren eine gefühlte Ewigkeit durch die Finsternis geschritten, dann, als ob der graue Fleck sich in die Wirklichkeit materialisiert hatte, waren sie auf Pilze gestoßen, weiße Pilze, die ein ungesundes Licht abstrahlten, weiß und grau und giftig zur selben Zeit. Johann hatte sie berühren wollen, doch Hayes hatte ihn gepackt, zurückgezerrt, hatte sich damit…

Weiterlesen Weiterlesen

Hayes – Giftiger Wein – Kapitel 10

Hayes – Giftiger Wein – Kapitel 10

Sie berieten sich, dann nahm Johann eine Stange, die an der Stange lehnte. Schritte wurden laut. »Hinter die Fässer« zischte Hayes. Nachdem sie im Schatten verschwunden waren, öffnete sich die Tür, schloss sich wieder. Schritte näherten sich, blieben stehen. Augen schweiften schweigsam durch den Raum. »Nicht, wie ich dich gelassen habe. Der Tod ist eine Hexe«, murmelte die Stimme, dann ging der Mann in die Knie, zerrte das Gesicht des Erzpriesters über den Staub, schob den Körper des Toten zurück….

Weiterlesen Weiterlesen

Hayes – Giftiger Wein – Kapitel 9

Hayes – Giftiger Wein – Kapitel 9

Ja, natürlich. Alles war mit einem Mal so klar. Und dennoch blieb der Großteil des Wissens hinter den Türen der Wahrnehmung zurück, hinter den Pforten des Hier und Jetzt. Wenn es so etwas wie instinktive Rationalität gab, dann war es das. »Wenn wir das überleben, müssen wir ernsthaft miteinander reden.« Er starrte sie an, als habe sie ihm angeboten, ein Dutzend Kinder zu zeugen oder einen Drachen zu überzeugen, sein Gold freizulassen. Dennoch nickte er irgendwann. »Der Ozean der Magie…

Weiterlesen Weiterlesen

Hayes – Giftiger Wein – Kapitel 8

Hayes – Giftiger Wein – Kapitel 8

Die Zelle war winzig genug, jeden Luftzug in seine Form zu pressen. Hinter dem Fenster, aus dem Hayes die ganze Zeit starrte, flimmerte der Weinberg in all seiner violetten Pracht. Die fetten Trauben glitzerten vor Süße. Der Boden saugte jeden Sonnenstrahl in sich auf. Leider geschah dasselbe mit der Mauer. Hier unten, 4 Ellen unterhalb der Erde, wirkte alles wie der Rest eines alten Traums. Hayes ließ die Gitterstäbe los und sprang auf den Boden zurück. »Wars das jetzt?«, fragte…

Weiterlesen Weiterlesen

Hayes – Giftiger Wein – Kapitel 7

Hayes – Giftiger Wein – Kapitel 7

Das Feuer antwortete. Es hatte keinen Anfang und kein Ende, keine Stimme, keine Worte, aber es sprach. Das Glimmen der Fetzen, die den Feuerkessel verließen, hingen in der Luft, wanderten um das Skelett der Kreatur umher, als wollten sie es packen, wollten sie es mit ihrem eigenen Willen belegen. Für lange Zeit – zumindest fühlte Hayes das – blieb es bei diesem chaotischen Tanz, bis die Flocken davonstoben, ähnlich dämonenhaften Schmetterlingen oder vom Herbstwind fortgetriebenem Laub. Hayes schüttelte den Kopf,…

Weiterlesen Weiterlesen

Hayes – Giftiger Wein – Kapitel 6

Hayes – Giftiger Wein – Kapitel 6

Der Boden roch nach alten Füßen und noch älterem Wein. Die Treppe erinnerte an einen Abgrund. Irgendwo in der Ferne krochen Flammen an den in den Felsen gemeiselten Wänden entlang und verwandelten die Dämmerung in einen Tanz toter Schatten. Hayes rutschte an dem kalten Stein entlang, Bruder Johann ein paar Schritte hier ihr. Er wischte sich noch immer den Dreck von seiner Tracht. »Verrotte Weinbeeren«, murmelte er. »Ich werde die nächsten Tage nach verotteten Weinbeeren riechen.« Hayes zischte, reagierte aber…

Weiterlesen Weiterlesen

Kontoauszug

Kontoauszug

Von allen Dingen, die hätten schiefgehen können – ging der Bruch durchaus glatt. Also durch das Bein. Nicht der Einbruch. Der Einbruch war gut geplant. Der Beinbruch nicht. Aber zurück zu Anfang. Am Anfang erschien eine Kontonummer auf einem Zettel, der sich mir offenbarte, als wäre er das Angesicht eines fernen Gottes. Leider wusste ich das damals noch nicht. Ich sah die Nummer, dann die Zahl dahinter, die durchaus zeigte, dass jemand Geld auf das Konto gezahlt hatte – nur,…

Weiterlesen Weiterlesen

Hayes – Giftiger Wein – Kapitel 5

Hayes – Giftiger Wein – Kapitel 5

Der Mond hing am Himmel und sein Zwillingsbruder ein halbes Dutzend Minuten entfernt. Einige Sterne tanzten unaufhaltsam, jedoch vorsichtig, über den Himmel, umgeben von wolkenloser Stille. Auch die Burg nahm an diesem Ritual teil, jenem nächtlichem Schweigen. Der Herr des Himmels Aracus, wachte auf der anderen Seite dieses Balls aus Erde, Wasser, Mensch und Tier – in dieser Reihenfolge. Hayes lag auf ihrem harten Lager und rührte sich nicht. Ihre Augen fixierten die schwarze Decke über ihr. Ihre Hände lagen…

Weiterlesen Weiterlesen

Hayes – Giftiger Wein – Kapitel 4

Hayes – Giftiger Wein – Kapitel 4

»Deshalb sind wir hier.« Bruder Johann lehnte sich zurück, rülpste, pulte einen Fetzen Hühnerfleisch aus einer breiten Zahnlücke, betrachtete es und warf es zurück in seinen Mund. »Wegen des Weins.« »Und wegen des Erzpriesters.« Sein Bruder – er hatte sich nicht vorgestellt, aber das war klar gewesen – betrachtete Hayes und ihn mit zusammengekniffenen Augen. Seine Augenbrauen hatten die Dicke eines Fingers, waren fast schon weiß, dennoch schien er nur einen Hauch älter zu sein als Johann selbst. Vielleicht lag…

Weiterlesen Weiterlesen

Hayes – Giftiger Wein – Kapitel 3

Hayes – Giftiger Wein – Kapitel 3

Der Fluss rauschte unter der Brücke, die bei jedem Schritt Hildegards bebte. Die metallenen Haken, zwischen denen die starken Holzbretter hingen, knirschten. Der alte Mann hatte einen Heben bedient, der das Tor geöffnet und gleichzeitig die Bretter aus einem unterirdischen Lager an Ketten über die eisernen Seile gezogen hatte. Hayes musste sich eingestehen, dass dies eine hervorragende Technik war, dennoch war ihr mulmig zumute, das Krachen des Wassers über die Klippen unter ihr zu hören. »Das gehört dazu«, meinte Bruder…

Weiterlesen Weiterlesen