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Kategorie: Midnight-Stories

Jason und die Finsternis

Jason und die Finsternis

Er sagte, dass er um exakt 23:30 Uhr da sein würde. Mit einem Koffer voller Geld. Ja, das hatte er gesagt. Koffer und Geld in einem Satz. Er ist nicht da. »Ich komm mir verarscht vor«, sagt Jason immer und immer wieder. Seine Worte hallen von den kahlen Wänden der ehemaligen Fabrik wider. Einzelne Kabel schwingen umher, erinnern an Saiten einer zerbrochenen Harfe. Es ist kalt. Der Wind schleicht durch die Löcher, dort, wo einst Fenster waren. »Verarscht«, lacht er,…

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Blumenmuster und Zigarettenrauch

Blumenmuster und Zigarettenrauch

In der Ferne übt ein Kind Saxophon. Es kann auch ein Roboter sein, ein Anfänger in Sachen »Ich kann Musik machen«, doch es ist fraglich. Ich starre in den Rauch meiner letzten Zigarette, bevor ich aufhöre. Regentropfen zischen in der Glut, versuchen, die letzten Reste des Tabaks zu vernichten, bevor ich es tun kann. Rinnsale glänzen, den Spuren von Klauen gleich, auf der Tapete, soweit sie sich noch nicht von der Wand gelöst hat. Manchmal ziehe ich lange Streifen vom…

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Unter dem Berg liegt ein Schatz

Unter dem Berg liegt ein Schatz

Etwas geschieht mit mir und mit Stefan. Oder Stephan. Ich kann den Namen nicht aussprechen, nicht denken. Ich weiß, er steht dort, in der Mitte der Kammer, direkt unter dem Kreis, der sich einem Himmelsgewölbe gleich über unsere Köpfe stülpt. Er schweigt. Nur mein Herz lebt noch. Die Fackel flackert in meiner Hand, verlischt bald. Zu tief, viel zu tief, liegt diese Kammer. Hier muss der Schatz sein. Ich fühle den Berg über meinem Kopf, die Kraft seiner Schwere presst die Luft…

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Rupert Namenlos

Rupert Namenlos

Der letzte Schritt war getan. Die Möglichkeit, sich selbst aus den Köpfen der Menschheit zu entfernen, lag nur einen Knopfdruck entfernt, ggf eine kleine Nachjustierung der Maschine. Dann aber, in ein paar Minuten, kabumm, alles wäre überstanden, alle Erinnerungen ausgelöscht, alle Geheimnisse wieder geheim. Nichts wäre mehr übrig von Rupert J. Ponyhouse, Wissenschaftler und Nullnummer, Opfer sovieler Angriffe, nicht nur wegen seines Namens, auch wegen seiner Theorie, dass das menschliche Bewußtsein nur eine Laune einer hyperdimensionalen Multifrequenzübertragung wäre, die Verknüpfung…

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Die Jagd

Die Jagd

Stille kein Ton dringt an sein Ohr nur langsam, in weiter Ferne, sein Herzschlag, wie Nebel. Er dreht seinen Kopf, die Welt zieht vorbei, grün und braun, im Hintergrund dunkles Blau, von weißen Kringeln durchzogen. Seine Fußzehen bohren sich in die Sandalen, Fichtennadeln stechen seine bloßen Füße. Er geht in die Knie, wischt sie ab, hört das leise Kratzen seiner Finger, die über die ledernen Riemen rutschen. Weiterhin Ruhe. Ein Hauch von Wind atmet in sein Genick, er zuckt zusammen,…

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Zwei Schatten

Zwei Schatten

Ich sah die Gestalt vor mir auf dem Weg zur U-Bahn. Ihr riesiger Schatten schien die Welt auszulöschen, aber es war nur das taktisch schlecht platzierte Licht der Laternen an den weiß-bemalten Neubewohnerhäusern, die zeigen wollten, wie hip sie wären, in dem Sie diese Lämpchen von Dämmerung zu Dämmerung dahinschweifen liefen. Er war schneller als ich, ich wanderte langsam nach meinem Arbeitsabend durch die beginnende Nacht. Die Straße war fast leer, ein paar Fenster waren offen und hinterließen einen sanften Teppich…

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Die Überraschung

Die Überraschung

Vorwort: unter Umständen FSK 16. Aber Wer ist schon alt genug für das Leben. Sie war zu spät dran, wie immer. Johann dachte daran, dass dies eine der nervigsten Eigenschaften einer Frau war, aber bei ihr war das liebenswert. Er sagte sich immer wieder, dass sie sich auf ihn freute, sich speziell für ihn vorbereitete. Er lächelte bei dem Gedanken, doch mit dem Blick auf die andere Seite der Bar verdunkelte sich wieder sein Blick. Dort saß jemand. Er hatte…

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Der Pfad – Eine Erinnerung

Der Pfad – Eine Erinnerung

Wenn immer ich mich an meine Kindheit erinnere, denke ich an den Pfad. Gut, für die Großen, Erwachsenen ist es keine echte Herausforderung, den eingezäunten Pfad zwischen zwei getrennten Teilen meiner Heimatstadt zu betreten, aber für mich war es, so oft ich mich auch beherrschen wollte, ein lebendig gewordener Alptraum. Du musst es dir so vorstellen: Der Weg hinauf in den Pfad ist so schmal, dass nur ein einzelner Erwachsener ihn beschreiten kann. Es ist kaum möglich, einem möglichen Entgegenkommenden auszuweichen,…

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Die Heimfahrt

Die Heimfahrt

Er wartete, wie zu oft zuvor, am glühendheißen Tor, das ins Gefängnis führte. Die Sonne brannte sich einen Weg durch die staubige Luft, ließ den Geruch von Müll aufsteigen, versuchte, ihn zu vertreiben. Es war erfolglos. Er hätte an einem anderen Ort sein müssen, weit entfernt von dieser Stätte des Hasses, doch man hatte ihn hergebeten, um seinen Bruder abzuholen. Er wusste, dass er ihn verabscheute, folgte dem Drang, auszuspucken, verwandelte den Dreck auf seinem rechten Stiefel in Schlamm. Verdammt….

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als die Welt noch lebte

als die Welt noch lebte

Ich nehme den Gürtel und das Klackern der Revolver weckt Assoziatinen an Steine, die auf glatten Bergseen aufschlagen und weiterspringen, hell und klar. Die Sonne geht unter, doch ich muss weiter. Die Welt wird dunkel, doch das ist notwendig: im Sonnenlicht würde ich verbrennen. Ich bin kein Vampir oder sowas, die Sonne ist ein Feind geworden, bereits vor Jahren, als wir noch Hoffnungen hatten. Waffen sind nötig, weil dort draußen genug Feinde sind… Tiere, den mutierenden Strahlen des Sonnenlichts ausgesetzt;…

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