Schreibprompt: Bild eines alten Hauses, Regen, Nacht

Schreibprompt: Bild eines alten Hauses, Regen, Nacht

„Du kommst zurück!“
Jan hörte noch immer die Stimme seines Onkels. Sie hatte ihn nie verlassen, hatte ihn durch die Nächte begleitet, die er in Fort Fierce verbracht hatte, jenseits des Polarkreises. Dort hatte man versucht, ihm beizubringen, dass seine Erinnerungen falsch, seine Träume noch zweifelhafter, seine Schreie die dumpfen Eskalationen eines Kindes waren, dem man nicht genug Pudding auf sein Brioche gestrichen hatte.
Doch er hatte es nie geglaubt, hatte nie seine Wunden verloren, die ihm seit jener Nacht begleiteten. Er hatte die Steppen des Westreiches gesehen, die wilden Kreaturen, die von den Schamanen der verlorenen Stämmen beschworen wurden. Er hatte die Fische gesehen, deren Kiemenklappen brackiges Seewasser meterweit hinter sich schieben konnten, um den Harpunen der Fischer zu entgehen.
Und er hatte die Nächte in der Winzerei nicht vergessen, die er mit seinem eigenen Schatten verbracht hatte – und einem trunkenen Mönch, der nicht glaubte, dass das Leben mit dem Tod vorbei war.
Und Jan hatte nicht vergessen, wie schwarz von Blut seine Hand gewesen war, als er sie aus dem Sarg gezogen hatte, aus dem ihn der Holzpfahl anstarrte wie ein blinkendes Auge.
Damals war er gerannt. Und die Rufe hatten ihn begleitet, hatten ihm Angst und Schutz gewährt, Schutz vor dem, was hinter den Mauern seines Elternhauses lauerte.
„Du kommst zurück!“
Jan hörte noch immer die Stimme seines Onkels.
Doch diesmal lächelte er und der Kutscher, der ihm ins Gesicht starrte, wich zurück vor den Schatten, die sich abzeichneten und etwas wölfisches präsentierten.
„Du kommst zurück!“, flüsterten die verfallenen Eichen und ihre Blätter krochen durch die Dämmerung des verfallenden Tages.
„Ja, ich bin zurück“, murmelte er, während die Fackel hinter ihm erlosch und die Finsternis ihn nach all den Jahren endlich wieder aufnahm.

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