Gedanken inmitten eines Schlachtfelds

Gedanken inmitten eines Schlachtfelds

All die Dinge, die wir als selbstverständlich hielten, sind nur noch Chimären, getrocknete Köpfe auf den Wandtafeln der Geschichte. Meine Hände triefen vor Blut, als ich meinen Kopf endlich heben kann. Die Ebene ist keine mehr, nur noch ein Haufen von Körperteilen, die Hügel bilden, Erhebungen, die sich in die Unendlichkeit hineinbewegen. Meine Augen brennen, doch es sind keine Tränen, sondern die Spritzer Feindesbluts, die mein Gesicht (und meine Hände, erwähnt ja, Beschrieben nein) in einen Panzer verwandelt haben.

Verwandlung ja.

Ich sehe meine Knie nicht mehr, denn der Morast, der mich umgibt, scheint die Erfüllung aller menschlichen Träume zu sein, Wasser in Überlfuss, das mit der Zeit getrocknet sein wird und Wolken aus dem Dampf entstanden sind, die sich bald rot und grau über den schier endlosen Himmel bewegen, beleuchtet von einer endlich entfernen Sonne. Azurblau sagt man, ist die Welt, wenn das Apollinische Gestirn seinen eigenen Kräfte unterwirft und um diesen Planeten kreist, immer und immer wieder, ohne Anfang und ohne Ende. Der Herr sprach, und es war. Und es bleibt, so die omnipotente Macht, die sich in unseren Gliedern und in der Summe auch in unseren Leibern versteckt, verkümerte Inspirationen, die dem folgen, was das Universum seinen Dämonen abtrotzt. Was soll ich sagen, außer dass die Augen, die mich anstarren, nichts mehr sehen können, weil der Kopf, dem sie angehören, auf meiner Handfläche liegt, die andere trägt eine Klinge, ausbalanciert bis in die Nano-Einheiten des Weltenraums. Dieser Planet ist nun frei.

Wir kamen aus den Feuern der Hölle auf diese Welt hernieder, Lehrer einer höheren Wahrheit, dass alles, was ist, sterben, vergehen muss, weil das Leben den Tod in sich trägt und nicht einmal die Weisheit aller Wesen ausreicht, um dies zu ignorieren. Zerdehnt wird das Leben, die eigene Existenz, durch Bitterkeit des eigenen Kampfes, des Selbst-Erklärens der Logik, der Vernunft, doch auch die Mathematik hat ein Ende in dem, was das Universum erzeugen kann: Chaos. Am Ende wird das Chaos sein und das Leben nicht mehr sein und das Grauen wird alle überwältigen und sie schreien und sie leiden und sie wollen sterben, doch sie können nicht entkommen. Ja. Das Buch, das im meinem Rücken liegt wie ein Schild aus Wissen ist das einzige, was zählt und auch dieses wird vergehen, wenn sie alle vergehen, alle vergangen sind. Doch ein einzelner oder auch wenige können es ertragen, den Schmerz, die Unerbittlichkeit. Und so ziehen wir von Welt zu Welt zu Welt und erlösen sie von ihren Qualen, von ihren Fragen, von ihren Zweifeln und sinnlosen Hoffnungen. Jede Wellenfunktion bricht zusammen, wenn sie endet. Und das Ende heißt Tod. Und auch wenn die Armee der Gnade, die mein Gelübde aufgenommen hat, meine Feigheit, noch aus Milliarden Kriegern besteht, so werden wir, wenn alle anderen befreit wurden, uns in einer der vielen Galaxien miteinander messen, um einen zu bestimmen, der das Los erträgt … das Los der absoluten Einsamkeit, das Los des eigenen Daseins und dann, wenn das Chaos, die Entropie, sich kreischend auf diesen Helden stürzt, dieser sein eigenes Leben dafür geben und es mit sich reißen und dann wird das Universum wieder so sein, wie es einst gewesen war: klar und kalt, still und jubelnd.

Und die verzerrten Münder im Gesicht der letzten Kreatur, die ich erlöst habe, werfen ein Lächeln von Dankbarkeit in meinen Kopf und ich fühle, wie sich meine Hände zu den Sternen erheben, auf dass ich jene fernen System in Staub verwandle, bis ich dereinst selbst zermalmt werde, von den Kräften, die mein Schicksal bestimmt und mir diese Pflicht zugeteilt haben. Dann werde auch ich lächeln und vergehen. Dann werde ich Teil der Ordnung, der unendlichen perfekten Ordnung.

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