Die Tür

Die Tür

Als er die Tür öffnete, bemerkte er, dass es nicht die Tür war, die ihn an allen anderen Tagen aus dem Haus, auf den Weg, zum Auto, zur Straße, zur Arbeit geführt hatte. Statt eines von Gras übersäten Vorgartens, der laut Hausbesitzervereinigung ohne Spielzeug, ohne Hundekot und ohne Stühle, Grill, Bierkisten zu sein hatte, erwartete ihn Finsternis.

Einzelne Sterne klebten am dickflüssigen schwarzblauen Himmel. Sie blinzelten ihm zu. Er blinzelte zurück.

Seine Augen fühlten sich dick und trocken an, verkrustet vom Sand schlechten Schlafes. Er rieb sein Gesicht. Es war haariger, als es sein sollte. Seine Handflächen kratzten über seine Haut, Hautpartikel lösten sich ab und rutschten von seinen Knochen.

Der Eindruck war schnell vorbei, aber die Finsternis blieb bestehen.

Er traute sich nicht, einen Schritt zu wagen. Seine Hände hingen an seiner Seite, als wollten sie weiterschlafen, so wie der Rest seines Körpers.

Die Tür wartete. Die Finsternis wartete.

Vor der Finsternis hingen schwarze Bäume, nur Schatten von Zweigen und Ästen. Einige Blätter, so groß wie Fußbälle, hingen vereinzelt an eben jenen Zweigen. Sie schoben sich so sehr in den Vordergrund, als wollten sie ihn berühren. Er konnte aus feinen Linien ihrer Kanten erkennen, sie erinnerten ihn an die nationalen Blätter Kanadas, an Ahornblätter. Doch hier gab es keinen Ahorn. Hier gab es einen Vorgarten, einen Gehweg, der mit Büschen begrenzt war. Hier gab es Dutzende Häuser, die alle gleich aussahen, zumindest, wenn man dem Wunsch der Hausbesitzervereinigung folgen sollte. Hier hätte es so etwas gegeben, wenn die Finsternis nicht gewesen wäre, die alles auslöschte, jeden Weg und Stuhl und Grill, jedes Auto, jede Straße, jedes Haus, jedes Straßenschild, jeden Menschen. Und dort, wo Lärm hätte sein müssen, das dumpfe Brummen der nahen Autobahn, das harsche Kreischen der Maschinen, die über allem hingen, das Jaulen der Tiere, die Kämpfe der Nachbarn, das Toben der Kinder an einem frühen Sommertag im späten August – all dies war ersetzt worden von der bleichen Stille der Finsternis, die nicht einmal ein Rascheln zeigt, auch kein Raunen, auch keine fernen Tierlaute, auch kein Wasser … doch, da war Wasser, in einer Ferne, die keine Entfernung kannte.

Er nickte.

Er lächelte.

Er ging durch die Tür.

Die Tür stand offen, blieb offen stehen, wurde selbst Teil der Finsternis, als wartete sie auf jemanden. Vermutlich wartet sie noch immer.

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