Hollquick – Kapitel 2

Hollquick – Kapitel 2

Das Trampeln der Monster, die sich unserer Festung nähern, muss doch Balokarz aufgefallen sein! Ich kann nicht glauben, dass er dumm genug ist, einem einfachen Hämmern zu antworten, ohne das Sicherheits-Visiorum zu befragen. Vermutlich ist er wieder dicht. Dicht ist sein Wort für »Unter dem Einfachen Einfluss Extra Ekstatischer Eselsmilch« – Weißwein, der im Dorf nebenan gebaut wird, ohne Trauben, dafür mit extra »dicht«.

Mist.

»Balokarz!«

Meine Beine zittern, als ich seinen Namen rufe, doch wie ich schon im vorherigen Kapitel sagte: Ich bin allein. Ich fühle mich sogar noch mehr als das, mutterseelenallein.

Hätte ich für SIE die Tür geöffnet? Sicher, aber ich heiße nicht Balokarz – Sicherheitsmann. Ich heiße Hollquick, wie die Pflanze, die nur 2 Monate blüht. Ja, die anderen machen Witze und ich lache darüber, was solls? Kunden tun das nicht, ich meine lachen. Zumindest sehe ich sie nicht – die Filtersysteme der Kugeln laufen über einen »Maincube«, wie man in neo-englisch sagt, einer Sprache, die »total kewl« ist, genau wie das Wort »kewl«, das so 1992 ist wie die Socken, die ich trage.

Doch ich lenke mich ab, während im Hintergrund der Tod lauert.

Warum ist SIE, die den Namen »Naratomika« trägt – Frau Griseldis Naratomika – hier? Ich sehe von hier aus das Schweben ihrer Haare über dem Atemhauch, in dessen Flimmern die Schneeflocken – äh – flimmern.

Zauberglas ist so unglaublich toll, wenn es etwas bringen würde. Ich bin um die 200 Schritte durch die Visiorum-Hilfshalle und 130 Schritte über die Treppe – ich habe gezählt, ich habe Zeit – von ihr und Balokarz entfernt und ich weiß nicht, was ich tun soll. Ich wäre gerne ein Held, aber die gibt es nicht mehr, die sind ausgestorben, außer im Geschichten-On-Demand-Bereich (sowohl auf Kristallpergament-Ersatz oder auf Groß-Visionen). Was soll ich tun?

Frau Naratomika ist nun endlich durch die Lücke in der Tür geschlittert, an deren rußgeschwärzten Oberfläche ihre Kristallschuhe fast zerborsten wären und Balokarz spricht sie an; ich erkenne sein Gesicht hinter dem Bart aus gefärbter Zuckerwatte, die er immer trägt, wenn er nicht auf Feierlichkeiten eingeladen ist. Ihre Hand wandert durch die Luft, ihr Finger streckt sich aus, als würde sie in Magie schwimmen, Balokarz folgt ihrer Bewegung. Sein Mund brüllt ein »Miiiii -«, unhörbar getrennt von mir; er drückt sich gegen die Tür, doch ein Hagel von Äxten schneidet die Luft entzwei und prallen vom Metall ab, alle außer einem, der genau dort landet, wo er am meisten Schaden anrichtet. Balokarz hebt das, was von seiner Hand übrig ist, ins Licht der Flammen, die im blutroten Nebel leise vor sich hinflackern. Ich muss seinen Schrei nicht hören – ich fühle, wie alle Visionen anspringen (ein Zeichen dafür, dass Griseldis den Alarm aktiviert hat?) und den Saal in unheilvolle Schmerzen tauchen.

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