Hollquick – Kapitel 1

Hollquick – Kapitel 1

Es blinkt. Das verdammte Ding blinkt wieder. Mist. Ich schaue auf die Uhr. Es ist kurz vor 10. Es ist Freitag. Wie üblich –

»Guten Abend«, sage ich, »mein Name ist -«

»Ja, guten Abend, ich bin Liqwrssa Mltqwwar.«

Ich habe nichts verstanden und bitte um eine Wiederholung. Der Mann oder die Frau – wer auch immer – stoppt in ihrem Redefluss und atmet kurz ein.

Doch, der Name war richtig. Ich fühle die Buchstaben in meinem Kopf aufsteigen, die sich in grüne und gelbe Farbtupfer verwandeln und die Treppe hinabregnen, die sich Verstand nennt – die Verbindung zur Kugel.

»Herr Mlqwwar -«

»Frau -«

»Verzeihen Sie bitte, Ihre Stimmlage schien -«

»Was ist mit meinem Visionum?«

»Ihr -«

»Mein Visionum. Wo ist das? Ich habe das vor 3 ganzen Tagen eingesandt. Der Bote hat es abgeholt. Das Leih-Visionum ist älter und die Farben sind auch mistig.«

»Mistig?«

»Ich spreche englisch, wenn ich mich aufrege, Herr Wie-auch-immer!«

»Lysander Hollquick ist mein Name. Ich wünsche Ihnen einen guten Abend. Gerne helfe -«

»Ach Sie und Ihre Namen. Sind Sie ein Elf?«

Ich betrachte mein Spiegelbild im Fenster; es winkt mir zu. Magisches Glas hat Eigenschaften, die ich nicht entziffern kann, nicke aber. Hinter ihm glänzt das Weihnachtsland in allen unmöglichen Farben und winzige Punkte durchstreifen die Ebenen vor der Festung, in der ich arbeiten – dienen – darf.

»Ja, ich bin ein Elf.«

Die andere Person räuspert sich und beginnt, ein wenig zu schmatzen. Der Abdruck seines Gesichts verschwimmt in den Wassern der Kugel, die vor mir schwebt – ja, das Ersatz-Visionum ist nicht wirklich gut (und ich bin dankbar dafür).


»Also wann?«

»Ich habe keinen Zugriff auf den Visionum-Betrieb. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass zu Weihnachten die Reparaturen langsamer verlaufen können als zu den normalen. Gerne -«

Die andere Person hat ihr Visionum in die Ecke gefeuert. Ich sehe, wie eine Katze über den Teppich stolpert und das Glas beleckt, das vermutlich schon hunderte Kunden in ihren Händen gehalten hatten – das Visionum 8.31 ist nicht gerade dafür bekannt, langfristig zu funktionieren – ist aber billig genug, um ansprechenend zu sein.

Ich tippe mit dem Finger auf meine Kugel, hinterlasse einen Gedankenabdruck, der sich wie eine Rohrpost durch die magischen Kanäle in die Ferne begibt, um gespeichert zu werden.

Als ich aufschaue, bin ich allein. In der Ferne knallt die Tür zu. Balokarz ist noch da, aber der macht Hausmeisterdienste und spricht mit keinem. Ich kenne keinen Menschen, der menschlicher ist als dieser Mann. Dafür ist er immer hier, immer bereit, Überstunden zu leisten. Ich bin es – eigentlich – nicht, aber ich habe mich breitschlagen lassen. Magische Fibulanzkerzen flackern theatralisch an den Wänden, die von Bildern und Worten überzogen sind, die mich motivieren dürfen. Ich lächele ihnen zu – sie lächeln auch zurück. Magie ist schon was tolles – wenn sie funktioniert.

Ich hätte sie einladen sollen – die Eine. Es ist Weihnachten und ich sitz hier und sie ist irgendwo beim Feiern mit ihm. Ich meine: mit IHM. Großbuchstabenmann. Ich kenne seinen Namen nicht, nur seine Bezeichnung: Accessor. Ja, er hat Zugriff auf den Hauptkristallspeicher. Ja, er ist cool und er spielt Orkische Rockmusik und fährt Kristallteppich. Ich tue das nicht. Ich bin zu alt für Kristallteppichfahrten und – auch wenn es blöd klingt – Orkische Rockmusik ist für Leute, die sich wie Dunkelelfen verkleiden – 90% Getue und 10% »Wer trifft wen unter welchem Baum und was haben sie angezogen«-Texte.

Ich sehe noch ihren Blick in meiner Brille, die ich nur trage, weil nicht alles mittels Magie kontrollierbar ist, genauer gesagt: Ich bin unglaublich schlecht in solchen Dingen. Ich kann gut mit Menschen und Elfen – und sogar Goblins – und manchmal glaub ich, Orks haben Angst vor mir, aber wenn mich jemand nach »Welches Visionum-Upgrade ist das beste?« fragt, dann sag ich nur: »Das, welches die besten Effekte für den geringsten Blutverbrauch hat?«

Deshalb hab ich keins: Mein Blut scheint zu dünn zu sein – oder zu dick oder zu grün. Deshalb sitze ich hier und helfe denen, die genug für sich haben. Und die Weihnachtsfeier habe ich auch verpasst, soviel zum Thema »Ho Ho Ho.«

Als ich mich aufraffe und es fast Mitternacht schlägt, höre ich ein dumpfes Hämmern an der Tür und blicke zum Fenster hinaus.

Sie!

Ihr Gesicht wirkt sogar fahl vor dem weißgegerbten Schnee. Das Hämmern wandert durch die Wände und bringt meine Ohren zum vibrieren. Ich weiß nicht, was ich tun soll. Ich fürchte, heute Abend komm ich nicht hier raus. Als Balokarz die Tür öffnet, um sie hereinzulassen, schlage ich meine Hände gegen das Fenster, prügele das Glas in der Hoffnung, dass es zerbricht -, was ich nicht brüllen kann, flüstere ich nur und erschrecke vor dem Wimmern in meiner Stimme. »Orks«

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