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Kategorie: Black Metal Cowboy

Black Metal Cowboy – Tote spielen keinen Techno – Kapitel 12

Black Metal Cowboy – Tote spielen keinen Techno – Kapitel 12

Kapitel 12 – Finale und Epilog

Die Klingen schneiden unter dem Klirren einer gesprungenen Saite durch die Dämmerung. Der Cowboy hält gegen, seine Gitarre prallt funkensprühend gegen, die Schwerter seines Gegners. Eine Gruppe von weissgekleideten Menschen hat eine Arena gebildet und singt leise. Das Summen ihrer Stimmen versetzt den Bereich in eine sonderbare Schwingung. Der Cowboy wirkt geschwächt, ritt er doch vor einer halben Stunde in das Camp, bereit, dem vorgezeichneten Pfad zu folgen. Er folgte dem Buch und dem Befehl.

Mabuse lachte, als die Gestalt nahte, abstieg. Er trat vor die Türe seiner Baracke, die beiden Bücher in den Armen, die verzerrten Bilder einstiger Gesichter dem erwachten Toten zugewandt. “Dein letzter Gegner, mein Junge.”

Sigmund starrte auf das bleiche Wesen. Er nickte. Schweiß tropfte von seiner Stirn. Seine Augen juckten.

Dann ging alles Schlag auf Schlag. Den ersten Hieben wich der Cowboy aus, eine Art träumerische Eleganz bewegte ihn. Er zeigte die Haltung einer Marionette, an unsichtbaren Fäden geführt, um Verderben zu säen.

Ein Doppelstich trieb ihn zurück. Verwundert blickte er nach unten, als schwarze Reste einer ehemals lebenden Masse aus seinem Leib zu ragen begannen. Schwindel überfiel ihn und erkannte seit all den Jahren das erste Mal wieder das Gefühl von Angst. Aber warum?

Der Platz füllte sich, immer mehr Menschen liefen in einer mathematisch bizarren Form auf den Platz um die beiden Kämpfer, jede einzelne Person mit leuchtenden Augen und einem Lied auf den Lippen. Furchtbare Krämpfe befielen ihn, Schmerz loderte auf wie ein alter Bekannter. Er sah vor seinem inneren Augen die Augen eines Kindes, blau und leuchtend, voller Tränen. Ein letzter Hieb schickte ihn zu Boden. Mabuse lachte noch immer, als er sich ihm näherte.

“Sie sind kein Gegner für meinen Krieger des Lichts. Er schwitzt noch nicht einmal”

Sigmund näherte sich. “ich habe Mitleid mit ihm.” Mabuse schüttelte den Kopf. “Er ist nur ein böses Wesen. Du hast ihn besiegt. Nun vernichte ihn.”

Er drehte sich um, als er hinter sich ein Knurren vernahm. Grimm, der Hund, betrachtete ihn in bodenlosen Hass. “Drecksköter”, meinte Mabuse, trat zu. Grimm wich aus, bellte, beobachtete seinen Feind. Dann biss er zu.

Mabuse liess die Bücher fallen und flucht laut. Er warf mit den Büchern auf das Tier, bemerkte es und sprang hinterher. Beide krachten auf den Boden, Dreck stieg auf. Er griff danach, schrie auf. Im sich verziehenden Staub erkannte er das Gesicht eines fremden, wettergegerbten Mannes, der zornig den Kopf schüttelte. “Die sollen mal das unter sich selbst ausmachen.” sagte Sheriff Lester Wintersorrow.

Die Gestalt des Cowboys rührte sich wieder. Er stand auf und beugte sich über die Gitarre, hob sie auf. Der junge Mann ihm gegenüber spuckte in den Sand. “Ich brauche keine Hilfe, um das Böse zu besiegen. Ich bin auserwählt.”

Immer wieder und wieder zucken die Klingen durch die Luft, ein Hauch von Dämmerung schwebt durch die Finsternis. Gesänge werden leiser, verstummen. Jemand schreit. Panik materialisiert sich in den Gesichtern der Gruppe. Sie drehen sich um, geraten aneinander, kreischen sich an. Sie laufen in den beginnenden Tag.

Die Hiebe des Techno-Ninja werden schwächer, unkonzentrierten Schläge landen auf dem Hals der Gitarre, rutschen ab, verhaken sich. Er keucht. Sein Stirnband hat bereits den Geist aufgegeben, liegt im Dreck. Die Mutation, die einen direkten Zugang seiner Zirbeldrüse zu seinem ausgeprägten dritten Auge bietet, hat aufgegeben.

Zuviel Energie saugt die schwarze Gestalt aus dem einstigen Lichtbringer. “Nein”,

brüllt Mabuse, als der Cowboy sein Gesicht abnimmt. Atom für Atom löst sich der Ninja auf, gleich einem verqueren Puzzle. Ein Schrei, dann wird der nachtgleiche See im Gesicht des Cowboys wieder still. Er wendet sich Mabuse zu, zerrt ihn nach oben und verfährt gleich.

Er zeigt auf den Sheriff, der panisch zurückweicht.

“Nein”, eine leise Stimme durchbricht das verängstigende Szenario. Der Alte nähert sich. Der Cowboy erstarrt in seiner Bewegung. “Nein”, sagt der Alte wieder. “Nimm mich und lass sie gehen.”

“Vater, wieso tust du das?”

Der Alte dreht sich um. “Weil er dein Großvater ist, mein Sohn. Wir sind von seinem Blut. Und er hat dies alles nur getan, damit er das Buch bekommen kann, damit er endlich frei wird. Ich habe damals, vor all den Jahren seinen Körper in Stein gebannt, damit er keinem mehr wehtun konnte. Ich, ich kleines Kind, kaum des Lesens fähig, habe ihn in die Finsternis verbannt. Ich muss die Verantwortung übernehmen.”

Er hebt vor dem fassungslosen Blick seines Sohnes die Bücher auf und hält sie seinem Vater vor das nachtschwarze “Gesicht”. Ein Schrei und er ist verschwunden. Ein Zucken durchläuft die Glieder des dunklen Mannes. Knochen knacken, das Zwitschern von Gelenken, die sich in Staub verwandeln, dann hört man nichts mehr.

Die Kleine tritt aus der Dunkelheit hervor. Sie wirkt verängstigt, Sheriff Lester Wintersorrow hofft, dass das Mädchen keinen psychologischen Knacks mitgenommen hat. Der Schock sitzt auch in seinen Verstand. Das Mädchen packt seine Hand. “Suchen wir jetzt Mutti?” fragt Sie und schaut ihn an. Er nickt. “Ja, wir suchen deine Mutti.” Die Sonne geht auf. Der Wind wird alles wegwehen, wenn er genug Zeit dazu hat.

Epilog

Eine Gestalt fällt kreischend durch Wolken, schlägt dumpf auf. Der Boden ist weich wie Gummi oder, schlimmer noch, Fleisch. Augen betrachten ihn, menschliche und andere. “Du bist neu hier?” fragt eine Stimme. Er nickt. “Kannst du Kämpfen?” er nickt wieder, stützt sich auf seine Schwerter auf, die sich einige Zentimeter in den Boden gebohrt haben. “Wo sind wir?” Die Wesen um ihn herum schauen sich an, fast hört er ein Kichern. “Du bist durch das Portal gekommen. Schau mal, da kommt noch einer.”

Mabuse starrt in die Runde. “Ist das die Hölle?” fragt er. Einige der Gestalten nicken, andere zucken mit den Schultern. “Nein,” sagt eine Stimme. Er wirbelt herum und sieht den Alten mit den beiden Büchern in den Händen. “Nein, das hier ist nicht die Hölle. Es ist nur die Welt, die mein Vater erschaffen hat mithilfe der Bücher. Vielleicht bauen wir hier etwas neues auf, wo auch immer wir sind.”

Mabuse lacht und greift Sigmund bei den Schultern. Der Fuß landet direkt auf seinem Solar Plexus. “Lass das, alter Mann. Keine Zeit zu reden.” Sie nicken. Im Hintergrund hört man das Brüllen einiger Wesen, die die neuen Besucher begrüßen. Stampfend nähern sie sich. Siegmund hebt die Klingen. Er fühlt den Rhythmus durch seinen Körper gleiten. Er lächelt “Immerhin spielen sie hier Techno.”

(ENDE)

Black Metal Cowboy – Tote spielen keinen Techno – Kapitel 11

Black Metal Cowboy – Tote spielen keinen Techno – Kapitel 11

Kapitel 11 – Überraschung!

murmelt der Alte, als der Rauch sich verzogen hat und einen etwas besseren Blick erlaubt. “Schau”, sagt er und zeigt auf das Lager der Gemeinschaft, in dem dutzende Personen, winzigen Lichtern gleich durch die Gegend eilen, vorbei an Gebäuden, die an alte “Beetle Baily”-Comics erinnern. Gelächter unzähliger Kehlen tröpfelt langsam durch die Nacht. “Eine Falle”, flüstert Sheriff Wintersorrow. Sein Vater nickt. “Du wusstest es?” “Nein, aber diese Typen waren doch…”

Niemand sagt etwas. “Was wird mit dem Cowboy-Mann?” Sheriff Wintersorrow bückt sich, nimmt das Kind in die Arme und schweigt. “Sollen wir ewig warten? Die haben Mama. Und der komische Mann da, der war auch lustig.” Sie deutet auf das Lager.

“Überwältigt. Das sind einfach zu viele und sie haben auch noch das Buch.”

Sein Vater schweigt wieder. Er hat wenig gesprochen, seit sie aus dem Auto geworfen wurden. Ein Befehl, hinausgezerrt in die Finsternis. “Ihr seid uns im Weg.” hatte Matt gesagt und freudlos gelächelt. Dann waren sie, nur mit Abblendlicht weitergefahren, ein paar dutzend Meter vor dem Gelände zum Stehen gekommen. “An einer Stelle haben sie eine Lücke in ihrer Überwachung. Mein Kontakt hat mir einen Plan geschickt.”

Eine Wand aus Licht hatte sich heulend in den Himmel gebohrt. Grelle Blitze, Sirenen und Geschrei, überall. Eine Menschenmenge hatte sich in Windeseile um die Angreifer versammelt, eingeschlossen, überwältigt. Mehr war nicht zu sehen. Jubel hatte sich augenblicklich aufgebäumt, war langsam wieder versiegt. Sie hatten das Buch. Sheriff Wintersorrow wusste es einfach. Ein Gefühl bohrte sich durch seine Eingeweide: eine Falle, um das Buch zu bekommen.Mehr war es nicht gewesen. Diese Hipster glaubten einfach alles, was sie glauben wollten. Das Buch… war weg.

“Das Buch…”

“ist weg, Vater.”

“…ist nicht wirklich wichtig, Sohn.”

“Wie?”

“Nichts. Wir machen uns auf den Weg und erwarten…” er lächelte finster ” und erwarten das Schicksal.”

“Vater, deine Sprüche machen mir Sorgen.” er kratzt sich am Kopf und setzt seinen Hut auf.

“Opa, woher kennst du den Cowboy-Mann?”

Der Alte lächelt ihr zu. “Soll ich dir mal eine Geschichte erzählen?” Die Kleine klatscht in die Hände. “Ja, eine Geschichte und dann befreien wir unsere Freunde!”

Black Metal Cowboy – Tote spielen keinen Techno – Kapitel 10

Black Metal Cowboy – Tote spielen keinen Techno – Kapitel 10

Kapitel 10 – Durch die Nacht

„Siehst du, wie er da reitet?“ fragt Matt und deutet hinaus in die Nacht. Sheriff Wintersorrow starrt in die Dunkelheit. „Du bildest dir was ein, Junge.“ Matt schüttelt den Kopf, grinst. „Metaphysisch gesehen hast du recht, alter Mann. ‘Er’ bedeutet eine Person mit männlichen Attributen. Ich würde je ‘ES’ dazu sagen, aber wir sind nicht in einem Stephen King Roman, auch wenn das Ding dazu passen würde.“ Er lehnt sich zurück und tupft sich mit einem Stück Zellstoff den Schweiss von der Stirn. „Es ist sehr warm bei euch hier draußen. Daheim, im Big Apple, ist es angenehmer. Wir könnt ihr hier draußen nur überleben?“

Der Alte richtet seinen Blick auf den Hipster. „Wir tragen keine bescheuerten Klamotten hier draußen. Wir leben mit der Natur, nicht gegen die Natur und was da draußen unterwegs ist, ist eindeutig gegen jede Natur.“

Matt kichert. Er beugt sich vom Hintersitz nach vorn, tippt dem Fahrer auf die Schulter. „Mach mal Musik an.“ Atmosphärisches Rauschen dringt durch das nur von den Bordinstrumenten beleuchtete Innere des Wagens. „Ah, Dark Ambient. Post-Ambient. Kennen Sie „Metal Machine Music“ von Mr. Lou Reed. Noise Rock. Anti-Mainstream-Pop-Musik.“

„Mister?“ fragt die Kleine, die zwischen ihm und dem Alten eingequetscht ist, sich sichtbar unwohl fühlt, „warum reden Sie soviel? Mein Papa sagt immer, wer viel redet, hat viel Angst.“

„Angst? Wovor denn? Vor dem Ding da draußen? Wir haben Kontrolle darüber. Vor dem Technoninja? Ein schwacher Jugendlicher, der auf japanische Ninja-Sachen steht und der mit seiner Zirbeldrüse lustige Dinge anstellen kann.“

Er verdreht die Augen. „Übrigens, die Leute in ihrem Dorf sehen noch immer aus wie Zombies. Hoffen Sie mal, dass die Wüstenhunde oder was auch immer hier rumrennt, sie nicht anknabbert.“ Matt lacht auf und versinkt in kurzzeitige Kontemplation. „Keine Sorge, wir finden die Leute und lassen sie frei, vielleicht jedenfalls. Eigentlich haben sie es nicht verdient. Sie sind schwach. Sie sind nur ein Schwarmwesen, ein Mob, ohne Vernunft. Deshalb hat man sie gefangen nehmen können.“

„Woher wissen Sie das alles?“ fragt Sheriff Wintersorrow. „Ich habe einen geheimen Kontakt im Lager. Irgendein Wächter, der keine Lust mehr hat, sich den täglichen Predigten von ‘Papa’, äh, ‘Vater’ auszusetzen.“

„Und wenn die Leute Ihnen nicht folgen wollen, wenn alles vorbei ist?“

„Folgen? Individuen folgen doch nicht. Und wenn ein paar draufgehen… nun…“ er verstummt. „Ist auch gut… immerhin ist es ja so:“ sein grelles Lachen wirkt wie ein Schock in diesem meditativen Rauschen der Nacht: „Tote, nun ja, Tote spielen keinen Techno.“

Black Metal Cowboy – Tote hören keinen Techno – Kapitel 9

Black Metal Cowboy – Tote hören keinen Techno – Kapitel 9

Kapitel 9 – Vereinigte Hipster Universeller Individualität

“Das Buch, bitteee schön.” die Stimme hinter der Waffe klingt einschmeichelnd, doch gefährlich.

Sheriff Lester M. Wintersorrow greift zu seinem Gürtel, beginnt jedoch in der Bewegung zu vermuten, dass die Waffe dort ist, wo er Sie hingelegt hat: im oberen Stockwerk. Sein junger Gast hebt die Hände, sein Vater bleibt unberührt.

“Ich frage Sie gerne erneut, da Sie mich gegebenenfalls nicht korrekt gehört haben. Ich möchte gerne das Buch haben, welches vor Ihnen liegt.”

Der Alte spuckt aus, der Tropfen Speichel bleibt an seiner Lippe hängen und gleitet sanft über das Kinn auf seinen wüstensandverdreckten Anzug. “Wer will das Buch?”

“Ich, oder besser gesagt, viele einzelne Persönlichkeiten, die sich zu einer individuellen Gemeinschaft zusammengefunden haben. Kommt rein, Jungs.”

In arhythmischem Stampfen drängt sich eine Schar höchst grotesker Männer und Frauen durch die niedrig scheinende Tür. Kaum sind die Leute drin, stellen sie sich ohne einen vernünftigen Zusammenhalt hier und da, an einer Säule, an einer Wand, auch mitten im Raum hin und bewegen Ihre Köpfe sorgfältig nuanciert in einem unsichtbaren Tanz.

“Das hier,” sagt die Stimme mit der Pistole wieder, “sind die ‘Vereinigten Hipster Universeller Individualität’ und mein Ich…” er tritt in den Raum und einer Beschreibung dieses Menschen möchte ich nicht vorenthalten, denn es erscheint, für alle Anwesenden eine furchtbare Erfahrung, der Hipsterigste, eine Bezeichnung, so neu, dass noch nicht einmal das “Kollegium des schlechten Geschmacks” es in sein “Jahrbuch des Grauens” geschrieben hatte.

Immerhin trägt der schmale Mann Hosen, doch was für einige Jahre Vintage war, hat sich bei ihm in eine Jeansstofffiligranität verwandelt, dass man sich nicht entscheiden kann, ob sich hier der Begriff “bleached” auf die wenigen Quadrat-Millimeter seines ökologisch zubereitetem Zellstoff-Beinkleid mit Rest-Blau oder auf seine rasierten Waden bezieht. Er kleidet sich weiterhin in eine Art Retro-Shirt mit losen Knöpfen an unterschiedlichsten Stellen, einem Schal aus lila Stofffetzen, die frappierend an einen mit Füllertinte bemalten Jutesack erinnert und eine Jacke darüber, eine Art Military-Anime-Mixtur, von der einem bei längerem Hinsehen schlecht werden muss.

Auf dem Kopf ruht eine Mütze mit Flaumfeder und mehreren Pins, geschmückt mit nicht mehr zu erkennenden Musikgruppen voller abgekratzter Flecken, darunter kurz geschnittene Haare im klassischen 1951er Look, eine John-Lennon-Brille in Komplementärfarben rot und blau und, als könne es nicht schlimmer kommen, Dreitagebart mit angedeutetem Oberlippenbärtchen und handgedrehte Zigarette im Mund.

“Ich bin Matthew. Sie können mich auch Matt nennen, ganz wie es Ihnen beliebt.” Er schwenkt seine Waffe hin und her. “Und nun, das Buch?”

Einer seiner Begleiter schlendert heran, betrachtet die Schrift aufmerksam. “Es scheint, es ist dieses Objekt, Freund.” Die Zigarette im Mund Matts zuckt. Er tritt näher. “Huch, das ist ja schwer.”

“Es ist auch alt, du Vollpfosten.” meint der Alte. Matt lächelt unglücklich. “Vollpfosten ist doch keine Beleidigung, alter Mann. Konservativ, das ist eine Beleidigung. Oder alt, das ist eine noch schlimmere Beleidigung. Oder…” er atmet wieder ein, verschluckte sich dann am Rauch. Seine Zigarette brennt nicht. Vermutlich ein psychologisches Problem.

“Verzeihen Sie, ich habe mich noch nicht an das elektronische Pendant des ausrangierten tabakgefüllten Spasshalms gewöhnt.” Matt kichert. “So, das ist also das Buch. Ich habe bereits davon gelesen. Die Arkham-Post vom 23.02 irgendeines Jahrgangs, verschwunden vor über 100 Jahren. Eine lange Zeit, nicht wahr? Ich vergesse jedoch nichts. Ich habe Internet.” Er schnippt imaginäre Asche von seiner Jacke.

“Was wollen Sie hier?” fragt Sheriff Lester M. Wintersorrow .

“Oh, nur das Buch. Sagen Sie mal, bekommen Sie nichts mit?”

“Aber wieso?”

“Sie haben einen mächtigen Dämonen erweckt. Wir sind nur hier, um ihn entsprechend zu steuern und ein bisschen… anzupassen.”

“Wie meinen Sie das?”

“Nun, in gewissen Kreisen des Internets nennt man ihn den ‘Black Metal Cowboy’. Black Metal ist jedoch nur noch kindisch. Und die Bands, diese ganzen Bands, die sind doch nur noch kommerziell. Die bringen ein paar Alben raus, ein zwei eingängige Riffs, kein Schwein hört das und dann holen sie sich nen Produzenten und dann hörens die Leute im Radio. Und dann kommt jemand, schreibt ein Buch über diese ganze Sache und dann will sie wirklich jeder hören und sehen und dann ist es nicht mehr… wie sage ich “TRUE” oder “HIPSTERMÄSSIG!””

“Und was kümmert mich das?”

“Dasselbe gabs mit Techno. Und mit Metal und mit der guten Musik. Und wir werden ein Zeichen setzen. Wir werden den Cowboy zu einem intellektuellen Messias des Nonkonformismus aufpowern, wir werden ihn zum absoluten Underground-Star machen, der die Menschheit von all den Kopien, all den kapitalistischen Geldverdienbands befreit. Und er wird der Held eines jeden Individuums werden. Er wird kein Black Metal Cowboy mehr sein. Er wird der Hipster-Messias sein.”

“Glauben Sie wirklich, was Sie da reden?”

“Natürlich. Sonst wäre ich nicht hier, sondern würde noch immer auf der Uni sein.”

“Student? Sie sehen allerdings aus wie einer dieser Typen. Sie sind einer dieser Spaßstudenten”

“Nicht mehr als jeder andere in meinem Kurs. Ich bin im 13. Semester Student der Anthroposophie. Ich weiß, wie Sie ticken, ich weiß, wie alle ticken. Deshalb wurde die ‘Vereinigten Hipster Universeller Individualität” gegründet. Unabhängig davon.”

Matt saugt an seiner Unterlippe. Sie scheint gepierced zu sein, aber so ganz sicher kann man sich nicht sein. “Und nun, kommen Sie mit, Sie werden mich, wie alle anderen auch, begleiten.”

“Wohin?”

“Wohin? Wohin sind Ihre Freunde gebracht worden, wissen Sie das oder stehen auch Sie unter seinem Einfluss.”

“Wessen?”

Matt atmet aus, dann wieder ein. Schweigen. “Natürlich kommen Sie mit zur Gemeinschaft der weißen Universalen Musik. Geleitet vom ‘Vater’, unserem schlimmsten Feind, neben Umweltzerstörung und Thunfisch in Dosen. Kommen Sie, dann sehen Sie die letzte große Herausforderung für den neuen Hipster-Cowboy: Sigmund, den Techno-Ninja.”

Black Metal Cowboy – Tote hören keinen Techno – Kapitel 8

Black Metal Cowboy – Tote hören keinen Techno – Kapitel 8

Die Gemeinschaft

Sigmund tritt vorsichtig vor die Türe seiner Unterkunft. Bemüht, keinen Laut zu fabrizieren, huscht er, einem bizarr-leuchtenden Schatten gleich, über die Brüstung, in die Hecke. Hier keucht er kurz, bevor er sich mit Anlauf dem Baum nähert, an dessen grober Rinde er die Griffmöglichkeiten im Schlaf benennen könnte. Sanft schweben einige Blätter zu Boden. Sigmund betrachtet sein Umfeld aufmerksam. Er kennt das Lager bereits auswendig, doch fühlt er seit wenigen Augenblicken wieder das Stechen in seiner Brust.

„Panik ist der Feind. Angst ist der Teufel. Zorn ist die alles vernichtende Waffe unserer Feinde.“ Starke, überzeugende Worte, in Demut leise wiederholt, die heute, nur heute, nicht den inneren Frieden schaffen.

Sigmunds Körper verkrampft sich und er beginnt, hin und her zu schaukeln. Ähnlich wie die Flucht vor einem unsichtbaren Feind schießen Gedanken durch seinen jungenhaften Geist, schweifen seine Augen über die wenigen Häuser in seiner Umgebung, fühlen sich seine Hände an wie Eis.

Augenblicke darauf hat er sich beruhigt und seine Neugier siegt erneut über die Wünsche des „Vaters.“ Wohlklingende Töne streifen durch die warme Nacht. Er fühlt sich nun wieder sicher. Mit einem Satz ist er in der Luft und landet auf dem Dach. Die Lichtkegel unterhalb der Wachtürme bewegen sich mit berechneter Eleganz, abstrakte Gleichungen zeichnen Bilder von verwirrender Schönheit auf den staubigen Boden. Sigmund fühlt sich gut, denn er kennt die Pfade des all zu bedrohlichen Lichtes.

Mit der Grazie des Tänzers und dem Willen des Kriegers gesegnet, schwebt er förmlich durch die Schatten. Selbst mit geschlossenen Augen ist der Weg zum „Zelt der Bekehrung“ ein Kinderspiel und ein Kind ist er wirklich nicht mehr. Aufgeregt schiebt er ein Stück Plane zur Seite und schaut ins Innere.

Die Neuankömmlinge erinnern ihn stets an Schafe, die zur Schlachtbank geführt werden. Auch jetzt starren sie auf den Boden vor sich, keiner hebt die Augen. Sigmund beginnt sich schon nach Augenblicken zu langweilen. Doch dann kommt Bewegung in die Gruppe. Eine Frau wird von der Hand eines der Gemeindemitglieder gepackt. Er kennt diesen Menschen nicht, trägt er doch einen weißen Anzug aus feinem Stoff und hält sein Gesicht hinter einer Maske verborgen.

„Ja, Vater“, sagt er und dreht sich langsam um. Im Dunkeln erscheinen die Augen seines Gegenübers noch heller als sonst. „Als könnte er die gesamte Welt überblicken“, haucht er leise.

„Es ist Zeit, mein Sohn, unsere neuen Freundinnen zu begrüßen.“

Stampfender Techno überlagert die aufgeregte Atmosphäre, doch geht ein fühlbares Raunen durch die immer weiter gewachsene Menschenmenge. Sigmund steht mit „Vater“ auf einem Podest, jenseits des Eingangs, von recht und links strahlen farbige Laser durch die rauchgeschwängerte Luft, streichen über die Köpfe von jungen Frauen, die mit freudigen Augen kurz dem Lichtkegel folgen, bis sie endlich Sigmund erblicken. Kreischen rollt durch die weibliche Anhängerschaft, die „Vater“ stets so scherzhaft als „Fanclub“ bezeichnet. Sigmund lächelt. Er fühlt die Mächte in sich aufsteigen und bemerkt, wie die Hand von „Vater“ ihn an der Schulter packt, liebevoll und doch bestimmt. Der Ritus beginnt. Die Musik wird lauter, beginnt sehnsüchtig an seinem Verstand zu nagen, sucht einen Weg in das Innerste seiner Seele. Da, der Punkt. Sigmund geht in die Knie, atmet exakt 3 Mal tief ein, reißt die Hand hoch und zeigt das heilige dritte Auge. Da, im Toben der Menschenmenge unter ihm, bemerkt er die Neuen, die er vor wenigen Stunden befreit hat. Befreit aus Sünde und Not, befreit von Verlangen, Zorn, Streit, Hass. Und er fühlt Liebe, eine wahnsinnige Liebe von ihnen ausgehen und diese Kraft, die sich ihm öffnet, ergießt sich in seinen Geist und dann geschieht ein Wunder, das Wunder, welches ihn seit jenen Tagen in seiner Kindheit mehr als alles andere fasziniert. Knackend öffnet sich das Auge auf seiner Stirn und ein Fluss aus weißer Energie schießt hinaus in die Welt, verwandelt Zeit und Raum in einen tosenden Ozean, in dem seine Existenz und die Leben aller um ihn herum versinkt.

„Vater“ sieht dem Ereignis immer wieder gerne zu und auch diesmal fühlt er sich sehr von den jungen Menschen vor ihm angesprochen. Er nickt, als er der Frau mit der Tätowierung anschaut. Sie gefällt ihm mehr als die anderen. Er wird wohl einmal mit ihr privat reden müssen.

Die Hand seines Ziehsohns beginnt zu zucken, verkrampft schmerzhaft in der seinen. Er schaut hin, erschrickt, als er die verzerrten Gesichtszüge Sigmunds erblickt. Die Musik versinkt im Hintergrund, denn seine Stimme bohrt sich direkt in seinen Kopf. „Der Cowboy ist auf dem Weg.“

Black Metal Cowboy – Tote hören keinen Techno – Kapitel 7

Black Metal Cowboy – Tote hören keinen Techno – Kapitel 7

Ein Vortrag in Geschichte

“Bist du völlig bescheuert? Habe ich dich zum Vollidioten erzogen?” Der Sheriff schaut überrascht in Richtung der Tür, aus der ihm eine Gestalt entgegen stürmt. “Vater!” Er steht auf und drückt die vermisste Person an seine Brust. Doch sein Vater kämpft sich aus der Umarmung frei. “Ernsthaft! Und keine Ausrede. Wo ist das Buch?”

“Buch? Ich weiß von keinem Buch!”

“Lüg mich nicht an, Junge, du hast schon in deiner Jugend keine Wahrheit verheimlichen können. Also, wo ist das Buch.”

“Äh, also, oben… wie üblich, an seinem Platz, Vater!”

Das Kind quiekt. Fluchend trampelt der alte Mann die Treppe herunter. “Du hast einen Gast?” fragt er, das Buch unter seinem Arm geklemmt. Er wirft es auf den Schreibtisch. “Du warst dran, nicht wahr?” fragt er, starrt in das Gesicht seines Sohnes, denn auch wenn dieser Sheriff ist, so bleibt er doch eine kleine Mistkröte und Lügner.

“Hier. Hier war jemand dran. Hier darf niemand ran. Das Buch ist verboten, tabu!”

Sanft streicheln seine Finger über die harte und rissige Oberfläche des Einbandes, das braune Leder, gealtert wie er selbst. Der metallene Verschluss, noch immer sonderbar kalt, flimmert im Neonlicht. Der Sheriff lehnt sich zurück und betrachtet seinen alten Herren mit zusammengekniffenen Augen.

Das Kind kommt die Treppe hinunter. “Onkel, was ist denn los? Ist der böse Mann wieder da?” Der Sheriff schüttelt den Kopf. “Nein. Hier ist alles in Ordnung. Nur mein alter Herr hier, der ist ein bisschen… sauer.”

“Kaum 40 und noch immer aufmüpfig wie ein junger Spund! Furchtbar! Ich sehe doch, dass ihr an dem Buch gewesen seid!”

Das kleine Mädchen nähert sich und schaut sich das Buch an. “Du hast mir doch daraus vorgelesen, Onkel Sheriff.”

“Ahaaa”, ein dürre Finger zuckt pfeilschnell durch die Luft und landet auf der Brust des Gesetzeshüters. “Lügner!”

“Ganz ruhig, Vater. Ich bin dir keine Rechenschaft schuldig. Du hast mir das Buch als Kind verboten, aber….” Er schiebt den Finger weg. “ich bin kein Kind mehr. Diesen Hokus Pokus Schmokus, dieses Gerede von Geistern und Dämonen. Das hier sind die neuen Dämonen!” er deutet auf den Monitor, auf dem der Bildschirmschoner die Top-10 aktueller Verbrecher hin- und herschaukeln lässt.

Sein Vater lächelt humorlos. “Glaubst du wirklich, dass das nur ein Buch für Erwachsene ist, das Kinder nur nicht lesen dürfen, weil sie zu jung dazu sind. Nein, mein Junge, das hier ist nicht nur ein Buch, das hier ist eines DER Bücher. Ein Buch, nur überragt von seinem Gegenstück oben in Arkham, das die in einer Universität lagern, mit eisernen Ketten behangen und einer verdammten Menge an magischem Kram drumherum.”

“Vater, setz dich hin, trink einen Tee und beruhige dich doch. Es kann schon sein, dass ich ein paar Sachen daraus vorgelesen habe, aber es war wirklich nichts Schlimmes dabei.”

“Nichts schlimmes? Was hast du gelesen, schnell!” die Gesichtsfarbe des alten Mannes verfärbt sich ins leichte violett.

Der Sheriff blättert durch die Seiten. “Das Meiste war auf lateinisch, das kann eh kein Mensch mehr, aber das hier…..”

“Ganz toll, mein Junge”, meint sein Vater, während er auf die Zeichen blickt. “Du hast heute Nacht einen echten Dämonen befreit. Grins nicht so, als wäre ich ein alter Idiot. Damals sind deine Großeltern fast wegen ihm gestorben.”

“Oh Gott, die alte Geschichte mit dem Geistercowboy. Ich habe ihn nie gefunden.”

“Du hältst dich auch von der Jamed-Mine fern, gut so.”

“Opa, erzähl mir doch die Geschichte, ich kann nicht mehr schlafen.” Die Kleine ist ziemlich aufdringlich und erinnert in an… “Cherry? Was ist passiert?” fragt der Alte.

“Sie wurde entführt, wie alle Stripperinnen und daher… hab ich einfach die Kleine erstmal bei mir aufgenommen. Und ihr Vater ist auch verschwunden.”

Das Mädchen nickt. “Böse Männer in Huuubschraubeern.” Sie schluchzt.

“Und nun?” fragt der Sheriff. “Du hast tatsächlich das Buch gelesen, die Stelle mit dem Cowboy. Ich hab es auch gelesen.”

“Ich habe damals von meinen Eltern, deinen Großeltern gehört, er war ein Medizinmann, einer der Ersten, die in den Norden gegangen sind, auf die Universität. Und dort hat er das Buch gestohlen, dieses Buch hier. Niemand hat es bemerkt, bis hier einige Leute krank geworden und gestorben sind. Es waren keine guten Menschen, aber es waren Menschen und irgendwann kam jemand auf die Idee, den Medizinmann dafür verantwortlich zu machen. Sie haben ihn gefangen und aufgeknüpft. Das Buch hat man aber nie gefunden. Denn das hatte sein Sohn. Ja, sein heimlicher Sohn, genauso krank im Kopf wie sein alter Herr, aber nicht so süchtig nach Aufmerksamkeit. Er wollte nur Rache. Er hat sich als Gesetzeshüter einstellen lassen, als Regulator für die großen Ranger hier in der Nähe. Er war sehr hellhäutig gewesen, man hat ihn für einen von ihnen gehalten. Naja, irgendwann kam dann die Armee vorbei, wollte irgendwas in Mexiko. Und dann ist er völlig ausgetickt, niemand weiß, warum. Und am Ende waren alle tot, er verschwunden und meine Eltern, deine Großeltern, Junge, haben das Buch gefunden und aufbewahrt.”

“Das ist richtig, alter Mann” sagt eine Stimme von der Türe her. Leises Motorengeräusch strömt langsam in das Gebäude. Die dunkle Öffnung eines Pistolenlaufs ragt auf drei entgeisterte Gesichter. “Ich wollte schon immer das Buch sehen. Ihr Freund wird also bald kommen? Schön. Wir warten hier.”

Black Metal Cowboy – Tote hören keinen Techno – Kapitel 6

Black Metal Cowboy – Tote hören keinen Techno – Kapitel 6

Eine Begegnung im Mondschein

Der Weg, besonders in der Dunkelheit, ist lang und Bob hat nicht wirklich Lust, sich um das neue Problem zu kümmern. Eigentlich wäre es am liebsten mit Jane unterwegs, nun gut, unterwegs auf anderen Ebenen der Realität. Dennoch stampft er, müde und sorgenvoll durch die Ebenen, die sich vor ihm auftun. Hin und wieder hört er ein leise Flüche in seinem Rücken, wirbelt dann herum und starrt in die gesichtslose Masse seines Rudels.

“Robert”, sagt sie leise und er muss sich beherrschen, sich nicht umzudrehen und seine liebste Zweitfreundin anzuschreien. Er lächelt milde und nickt. “Nicht mehr weit, meine lieben Freunde. Es ist nicht mehr weit.”

“Warum haben wir das Auto nicht genommen?” fragen ihn einige Stimmen halblaut, feige, zurückgezogen. “Weil das Ricks Auto ist, also war.” Er verheimlicht, dass er weder den Schlüssel hat, noch, dass er nicht fahren kann. Er darf es nicht, aber das ist eine der geheimen Informationen, die auf ewig keiner wissen darf. Er hat Angst vor dem Fahren.

“Unabhängig davon, liebe Freunde, so ein Spaziergang ist doch wohl machbar. Oder wollt ihr fett und faul werden?”

Keiner sagt etwas, halbherziges Gemurmel fliegt durch die Luft, vergeht im Wind.

“Hey” sagt Jane und Bob ist leicht genervt. “Was?” meint er. “Ich habe was mit, zum Spielen.” Sie öffnet ihre Handtasche, greift hinein, wühlt etwas und bringt eine Pistole zum Vorschein. Sie hält die Waffe sicher in ihren Händen und fuchtelt wild herum. “Was soll das” sagt Bob, der sich doch nun mehr Sorgen macht. “Ist meine, Paps hat sie mir geschenk, falls ihr Typen mal etwas heftiger zur Sache gehen wollt, ohne dass ich das will.” Sie grinst anzüglich. Bob fährt sich durch die Haare. “Aha, und was… spielen wir?” fragt er sie. “Hier ist doch genug Zeug zum Spielen, Kaktusse, Holzbretter und schau mal”, sie deutet mit dem Lauf auf eine kleine Gestalt, die hechelnd auf die Gruppe zuläuft. Ein Hund, ein wilder Mischling, dumm und hungrig, bewegt sich direkt in Richtung Janes Handtasche, vermutlich riecht er irgendwelche Keksreste, die sie immer mitschleppt. Sie kichert und feuert. Der Knall zerreisst die nächtliche Stille und ein Klumpen Erde fliegt durch die Luft, direkt auf den Köter zu. “Mist, verfehlt”, sagt Jane grinsend und feuert erneut. Wieder schlagen die Kugeln um das Tier ein.

“Das ist langweilig”; meint eines der Rudelmitglieder. Bob wirbelt herum und nimmt jeden einzelnen seiner Jünger in Augenschein. Keiner sagt etwas.

“Jemand kommt näher und es ist kein Hund”, sagt Jane und starrt in die Finsternis hinaus. Peters Gesicht taucht auf, weiss wie ein Bettlaken. Er keucht zum Erbarmen und fällt auf die Knie, um sich zu übergeben.

“Welches…Wort…von…”Du wartest dort, wir kommen nach” hast du nicht verstanden, Schwachkopf?” fragt Bob und seine Schläfenadern quellen wieder, dem Explodieren nah an, während er sich herunterbeugt und mit dem Finger Peter schmerzhaft anstupst. Dieser reagiert erst mit Verspätung. Schüttelt sich und beginnt zu kichern. Das Klappern von Hufen dringt durch die aufgeladene Atmosphäre. Das Rudel wendet seinen Blick hinaus in die Weite. Wolken ziehen ziehen hin, langsam aber sicher kommt der volle Mond erneut zum Vorschein, beleuchtet den hageren, unheiligen Reiter. Peter dreht seinen Kopf nach oben, starrt direkt in Bobs entgeistertes Gesicht und meint mit einer Art von aufbegeherender Gehässigkeit: “Du bist sowas von im Arsch.”

Bob betrachtet den Ankömmling, mit zusammengekniffenen Augen taxiert er ihn, sieht jedoch fast nichts. Schatten fahren über sein Gesicht, als die Wolken wieder dichter werden.

Etwas kracht direkt neben Bob. Er schreit auf und hält sein Ohr. Jane hält den Revolver zitternd in ihrer Hand. “Das Böse, das Böööööse” singt sie leise und es erinnert jeden, der dabei ist, dass Jane bis vor Kurzem einer Sekte angehörte, den “Hirten der letzten Jahre” und dass die Gestalt anscheinend genau das ist, was man ihr jahrelang gepredigt hat. Noch ein Schuss, doch das Wesen reagiert nicht. Jane tritt einen Schritt vor, noch einen, dann steht sie direkt an dem Pferd und wendet ihren Kopf nach oben. “Weiche!” schreit sie und drückt wieder ab. Die Waffe klickt. “Leeeer” tönt Peter von unten und Bob ist versucht, ihn zu treten.

Der Cowboy steigt ab, steht nur einige Zentimeter vor der winzig wirkenden jungen Frau und nimmt sein Gesicht ab. Dahinter ist nur Schwärze zu sehen, ein bizarres Universum voller Zorn und Hass, voller Tod und Verzweiflung. Jane beginnt zu brüllen, schlägt zu und ihre Faust versinkt im Nichts. Sie zerrt an ihrer Hand herum, aber egal wo sich diese jetzt befindet, von dort gibt es kein Zurück. Nun reagieren auch die anderen in der Gruppe; die Mehrzeit zieht die Flucht dem Entsetzen vor, und einige wenige packen Jane und zerren an ihr, um sie loszubekommen. Bob ist fassungslos, Peter grinst glücklich. Ein Zucken durchläuft die Körper der Helfer, als sich die Hand löst, jedoch nicht aus dem Gesicht. Jane starrt schockiert auf das, was von ihrer Hand übriggeblieben ist und Bob erinnert sich kurz an einen jener grausigen Filme, die er in seiner Kindheit gesehen hat. Sein Zorn nimmt überhand und er springt hoch. “Du Schwein”

Die Gestalt packt an Angreifer und wirbelt ihn herum. Bob landet am Boden, in mitten seines kreischenden Rudels. Erneut sieht Peter, wie das rote Licht zum Leben erwacht und wendet sich an. Er hält die Hände über seine Ohren, versucht, die Qualen, die sich wie Wellen um ihn aufbäumen, die Schreie der Opfer auszublenden, zu überhören, doch der Schmerz jeder einzelnen Person um ihn herum trifft seinen Verstand, bohrt sich tief in seine Seele und hinterlässt Löcher, die ihn nicht verlassen werden, bis man ihn eines Tages finden wird: einen geistlosen Wanderer tief im Inneren der Wüste, stumm in Worten und ohne Seele.

Black Metal Cowboy – Tote hören keinen Techno – Kapitel 5

Black Metal Cowboy – Tote hören keinen Techno – Kapitel 5

Kapitel 5 – Techno-Ninja

Der kleine Junge starrte in den Himmel. Die Stimme hallte noch in seinen Ohren, eine hübsche Frau war erschienen und hatte in an die Hand genommen. “Du bist auserwählt, Siegmund.” Der Junge war ergriffen von solcher Eleganz, dass er nicht antworten konnte. “Du bringst das Licht in die Welt.”

Sie hatte sich zu ihm heruntergebeugt und auf die Stirn geküsst. An dieser Stelle fühlte er ein lustiges Jucken, doch die Frau verbot ihm diesen Punkt zu berühren. “Ganz vorsichtig, kleiner Junge. Es ist die Quelle deiner Macht, sei gewiss, es wird die große Dienste tun.”

Die Mutter fand den kleinen Siegmund in die Luft starrend. Sie folgte seinem Blick, sah jedoch nicht mehr als Wolkenfetzen über ihren Köpfen davonsegeln. Auf ihre Frage wandte der Junge den Kopf und sie sah ein kreisrundes Bild auf seiner Stirn. Sie spuckte in ihr Hand und versuchte, es zu entfernen. Doch es gelang ihr nicht. Stattdessen fühlte sie eine plötzlich aufkommende Freude und die Welt begann, sich zu ändern. Der kleine Junge starrte seine Mutter, während sie kichernd und juchzend durch die Gegend tanzte. Er lachte auch und freute sich, dass seine Mutti sich so freute. Er wusste nicht…

In ihrer Welt kicherten die Bäume und die Wände des Hauses änderten ihre Farben und die Welt jubelte und alles war so toll und alles sprach mit ihr, sogar…

das Auto, das mit 35 km/h, 5 km/h schneller als erlaubt, um die Ecke bog und

der Junge sah, wie die Mutter durch die Luft segelte und

Sie konnte fliegen. Flieeegen.

Der Autofahrer sah durch den Riss in der Frontscheibe die verrückte Frau davonsegeln

Siegmund erwacht keuchend. Er betastet den Verband um seinen Kopf. Noch fest. Sehr gut. Er lehnt sich zurück und atmet stoßweise. Erneut der Traum. Er erhebt sich von seinem Bett, dreht sich herum und beginnt, das Bild an der Wand ihm gegenüber anzubeten. Eine Türe klickt, Schritte nähern sich ihm. Eine Hand auf seinen Schultern. “Schon wieder dieser Traum?” Siegmund nickt. Er dreht sich um und erblickt dasselbe Gesicht, wie noch vor Momenten auf dem Plakat hinter ihn”Vater!” Sein Gegenüber nickt. “Du warst großartig. Wir haben die von dir gebrachten Frauen begutachtet und freuen uns über den Erfolg deiner Mission. Wir sehen dein Geschenk gnädig an.”

“Werden es neue Schwester für die Mission” fragt Siegmund. Vater nickt.

“Es werden täglich mehr, die dienen wollen.”

Dann dreht sich Vater um und geht aus dem Raum. Siegmund ist allein. Er geht ins Bad und betrachtet sein Ebenbild im Spiegel. Vorsichtig nimmt er den Verband von seiner Stirn. Hastig blinzelnd öffnet sich sein 3., sein heiliges Auge, bewegt sich, fokussiert.

Zurück in seinem Zimmer sieht Siegmund, dass es noch nicht ganz 1 Uhr ist. Er hat sehr kurz geschlafen, wie immer, wenn er aufgeregt ist. Eine seltsame Unruhe überfällt ihn, als könne seine Gabe ihn befähigen, in die Zukunft zu schauen. Er geht in die Lotosposition und betrachtet eine einzelne, verfallende weisse Lilie, die auf dem hölzernen Altar gegenüber dem Fenster steht. Hinter dem Altar nur eine weisse Wand, nichts soll ihn ablenken.

Niemand wird die Gemeinschaft aufhalten, niemand wird Vater widerstehen können. Er lächelt kurz, zieht seinen musikalischen Begleiter aus einer Schublade unter dem Altar hervor und schaltet ihn ein. Dumpf hämmernder Bass, von zarten Melodien durchzogen fließt durch die Kopfhörer in seinen Verstand. Er fühlt, wie die Energien der Lebewesen um ihn herum im Klang der Musik tanzen, spürt, wie die Kraft aufsteigt, wie seine Chakren sich mit allumfassender Liebe füllen.

Er bewegt, stumm und völlig ohne Begehren, die Finger zu den heiligen Mudras, die ihm Kraft geben, seinen Weg zu gehen. Entsetzen zerrt kurz an seinem Bewusstsein und verschwindet wieder.

Hinter dem einseitig durchsichtigen Spiegel wacht ein Mann über die Meditation. Doktor Störensen, seinem Schützling und den ihm folgenden Jüngern nur als “Vater” bekannt, lächelt milde. Er erinnert sich für einen Augenblick an den Film “Dr. Mabuse”, welchen er als Kind dutzende Male im Hause seiner Großtante sehen musste. “Dr. Mabuse” hat ihn geprägt, mehr noch, erschaffen. Doch wird der Doktor hier erfolgreicher sein als sein filmisches Vorbild. Keiner kann Siegmund aufhalten. Nicht einmal er.

Black Metal Cowboy – Tote hören keinen Techno – Kapitel 4

Black Metal Cowboy – Tote hören keinen Techno – Kapitel 4

Kapitel 4 – Er erwacht

Tanzende Schwäne aus Altmetal kreischen durch die Lüfte. Peter schüttelt den Kopf und bewegt sich weiter durch die Nacht. Er schleift seinen Begleiter hinter sich her, als wäre er ein Sack, der sich nach und nach mit immer mehr Steinen füllt. Ein Auto sausst an ihm vorbei, kaum einige Yard entfernt. Peter schaut hoch und sieht, dass er auf dem Highway steht. Der Boden glüht noch von der Sommersonne, die gerade, nur vor langen Minuten untergangen ist. Er fühlt, dass der Kleine nur noch kurze Zeit zu leben hat und für einen winzigen Augenblick fühlt er sich schuldig. Und er schämt sich, dass er Bob nicht die Fresse poliert hat. Bei seinem Tritt hatte er es bemerkt: Bob trägt ein Suspensorium. Keine Zeit nachzudenken, nur weitergehen. Er sieht eine Straße den Highway streifen. Die eine Richtung geht in die Berge, die andere in die Kleinstadt, aus der er gekommen ist. Eine Kreuzung, tief im Nirgendwo begraben. Er lässt seinen Begleiter fallen und geht langsam hin. Dann greift er in die Hosentasche und befördert einen silbernen Dime nach draußen. Dann schreitet er die Ecken ab und ruft, mehr aus Spass, denn aus Ernst, aus einer Art “Sage 3x Candyman in einen Spiegel und er wird erscheinen.” den Namen des Herren des Kreuzwegs an. Er spricht seinen Wunsch in die Finsternis, wie er es schon oft getan hat und wirft die Münze hinter sich. Er wartet. Leise zischt der Wüstenwind an ihm vorbei. Er lächelt müde und leidlich enttäuscht. Dann geht er zurück und packt den heiser keuchenden Rick auf seine Schulter. “Noch einige Schritte, dann sind wir bei der Mine.”

Tatsächlich sieht er in der Ferne die Berge aufblitzen, als wären sie gerade erschaffen worden. Dort, eine Art Mund in einem grotesken Gesicht, die Mine. Er quält sich mit dem Bündel durch das Gestrüpp, versucht, einen Trampelpfad zu finden. Vergebens. Der Alte hatte Recht gehabt: Hier war seit Jahrzehnten kein normaler Mensch entlanggelaufen.

Das Zirpen der Heimchen, die seinen Weg begleitet hatten, verstummt völlig und Peter hört nur noch seinen Herzschlag und das Keuchen in seinen Lungen. Augenscheinlich verlassen Rick gerade die letzten Lebensgeister. Peter denkt nicht darüber nach, was er tut. Würde man Bob jetzt fragen, was er von seinem Beta hält: “Dumm, dumm und stark.”

Unabhängig von der Meinung der anderen, was seine geistigen Kräfte angeht, brechen seine Beine durch die trockenen Sträucher, trampeln Fetzen von Gras nieder und endlich finden seine erschöpften Augen die Stelle, an der er endlich frei wird. Frei von seiner Last. Er gönnt sich einen Augenblick der Ruhe.

Ein fernes Kreischen, näherkommend und wieder vergehend. Sicher irgendein Idiot aus Truppenstützpunkt, fast 50 Meilen entfernt, der sein Motorrad zu einer Nachtfahrt vom Parkplatz geholt hat. Peter war schon öfters dort, hatte sich vorgestellt, aber man hatte ihn kopfschüttelnd abgelehnt: zu jung, zu dumm. Vermutlich was für die Infanterie. Der Stützpunkt hier, der war etwas zu Besonderes. Sicher ein Geheimprojekt für weltweite Terrorbekämpfung, denkt Peter noch immer.

Erneut tobt ein Kreischen über die kalte Ebene, schwebt sinnlos herum und zieht plötzlich direkt in den Berg. Peter starrt entsetzt in die Mine und auf deren Absperrung aus altem Holz, beschrieben mit Verbotsschildern und Zeichen, die er nicht kennt. Sie erinnern ihn an seine Lieblingssuperhelden aus den Comiczeitschriften, an diesen magischen Doktor, der seine Seele dem Teufel verkauft und unglaubliche Fähigkeiten gewonnen hat, an Indianer, ja, besonders an Indianer aus seinen Heftchen. Er tritt näher heran. Etwas wütet vor ihm, er kann es ganz genau spüren. Steine lösen sich und rollen den Hang hinunter. Fluchend weicht er aus. Ein Knacken füllt sein ganzes Gehör aus und dann bricht der Berg entzwei, der entstehende Riss treibt dutzende wurzelförmige Auswüchse in alle Richtungen. Krachend bricht eine Faust durch das morsche Holz, ein zweiter Arm erscheint und reisst das Tor auseinander.

Die Gestalt, die nun in das Leben von Peter Jenkins tritt, ist keiner rationalen Denkweise zuzuordnen, sie besteht nur aus Knochen, mit dunklen Resten von altem, verdorrten Fleisch behangen. Das Wesen trägt einen alten, ehemals schwarzen Anzug eines Sheriffs, der blecherne Stern funkelt wild im hellen Mondlicht; eine Lebensform, von einer Ewigkeit in Verdammnis gezeichnet. Es tritt ins Licht und seine Augen glühen wie Kohle.

Es geht einige Schritte und wendet sich zu Peter. Entsetzt weicht dieser zurück, doch er kommt nicht weit, denn erneut, das zweitemal für einen Abend, fällt er nach hinten. Diesmal hat er Rick übersehen. Kreischend vor Angst rappelt er sich hoch und verschwindet in der mondlichtdurchflutetenden Einöde.

Rick keucht nur noch. Die Kreatur beugt sich zu ihm hinunter, nickt und packt ihn bei den Schultern, zieht ihn nach oben, presst seine dürren Fingerknochen auf sein Gesicht. Die Einsamkeit beginnt rot zu glühen, Licht fließt aus dem Körper des jungen Mannes in sein neuen Wirt. Das Bündel aus totem Fleisch fällt geräuschvoll zu Boden.

Das Wesen grinst, als es sein neues Gesicht befühlt. Es greift nach hinten, folgt einem Gurt, das über seine Brust gespannt ist. Das Ding, das er hervorzieht, gleicht einer Gitarre, doch hat es Saiten aus Metall, der Korpus zu schmal für eine akustische Variante.

Eine Salve von Klängen tobt durch die Ebene. Der Berg bebt und lässt einen Hagel von Steinen in den Wüstensand regnen. Ein Riff, lauter als alles, was je ein Mensch erschaffen wird, lässt die Atome in den Lebewesen um den untoten Musikanten erstarren.

Das Wesen pfeift und nur Augenblicke später steht es vor ihm. Sein Pferd, das Geschenk seiner Meister, die unerkannt zwischen den Realitäten leben. Es ist Zeit, loszureiten. Der Black Metal Cowboy hat einen Auftrag zu erfüllen.

Black Metal Cowboy – Tote spielen keinen Techno – Kapitel 3

Black Metal Cowboy – Tote spielen keinen Techno – Kapitel 3

Kapitel 3 – Ein Strip-Schuppen brennt

Sheriff Lester M. Wintersorrow erkennt bereits mehrere hundert Yards vor seinem Ziel, dass etwas von epischer Grausamkeit geschehen ist. Er stoppt seinen Wagen und steigt aus, unschlüssig, was er tun soll. Er kratzt sein Kinn und bemerkt, dass seine Rasur bereits mehr als 15 Stunden verstrichen ist. Nur zu diesem Zeitpunkt hält er sich daran fest, an eine Erinnerung.

Er sieht die Einwohner seiner kleinen Stadt einfach da stehen. Keiner kümmert sich um das Feuer, um die Flammen, die alles verzehrend diesen Augenblick regieren.

Es stinkt nach brennendem Holz und geschmolzener Plastik. Seine Augen werden groß, hält an, steigt aus und lässt ein ungesundes „Verdammt.“ in die vom Rauch durchzogene Luft vor dem Strip-Schuppen segeln.

Sheriff Lester M. Wintersorrow liebt dieses Gebäude, auch wenn er es nie zugeben würden. Doch seine Frau weiß davon und nachdem sie ihre ehelichen Gelüste bereits vor Jahren ad acta gelegt und sich der Stickerei gewidmet hat, ist sie nett genug, ihm (allerdings nur heimlich) zu gestatten, dieses verworfene Etablissement zu besuchen.

Doch in letzter Zeit ist sie anders geworden, komisch, und manchmal denkt der Sheriff, dass sie ihn nicht an eine der Tänzerinnen verlieren will. Doch jetzt ist er wütend.

Was war hier los?“ fragt er in die Runde. Keiner reagiert auf seine Stimme. Er packt sich den ersten, dreht ihn zu sich herum. Kein Ausdruck ist im Gesicht von John Ringer. „John?“ fragt der Sheriff. Die anderen stehen genauso da, ein Gesicht, das er vor ewigen Zeiten auf einem Bild gesehen hat, als hätte der Wahnsinn sie gepackt und ihnen die Seele aus dem Leib gezogen. Der „Tausend Yard“-Blick, dieses Starren. Ihm wird schlecht, er hebt den Arm, um einem von ihnen ins Gesicht zu schlagen, doch dann hört er eine Stimme. „Hallo“. Er dreht sich um und sieht die kleine Missis, die Tochter des Besitzers des Flammenmeeres hinter ihr, Harold Sippi. „Mein Papa hat gesagt, ich soll mich verstecken. Es kamen viele böse Männer, die haben meine Freundinnen mitgenommen und einer von denen hatte ein ganz furchtbar gruseliges Gesicht. Er hat einen ganz weiten Mund gehabt und hatte rote Augen und auch seine Haare waren weiß.“

Der Sheriff nickt. „Und dann?“ fragt er. „Dann haben sie die Leute hier zusammengeholt und der gruselige Mann hat sein Stirnband abgenommen und dann haben die Leute angefangen, lustige und komische Sachen zu machen, ein paar haben getanzt und gesungen. Und dann ist der Hubschrauber wieder losgeflogen und die bösen Männer haben meine Freundinnen mitgenommen. Und dann sind alle stehengeblieben und haben auch ganz komisch geguckt. Ich freue mich so, dass du da bist, Onkel Lester.“

Lester zuckt. „Und haben sie alle mitgenommen?“ fragt er heiser. Sie nickt. „Auch Cherry?“ Das Kind nickt.

Er dreht sich um und lässt die Kleine einfach stehen. Sie läuft hinter ihm her, packt seine Hand und lässt ihn nicht los. Er dreht sich zu ihr um und schaut sie an. Sie nickt. „Ich weiß, du hast Cherry ganz toll lieb.“ Er lächelt müde. „Wohin gehen wir?“ fragt sie. „Zu meinem Büro. Niemand….“, er hält inne,“ niemand entführt meine Lieblingsstripperin.“