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Monat: August 2013

Die Überraschung

Die Überraschung

Vorwort: unter Umständen FSK 16. Aber Wer ist schon alt genug für das Leben.

Sie war zu spät dran, wie immer. Johann dachte daran, dass dies eine der nervigsten Eigenschaften einer Frau war, aber bei ihr war das liebenswert. Er sagte sich immer wieder, dass sie sich auf ihn freute, sich speziell für ihn vorbereitete. Er lächelte bei dem Gedanken, doch mit dem Blick auf die andere Seite der Bar verdunkelte sich wieder sein Blick. Dort saß jemand. Er hatte die Füße auf den Tisch gelegt. Es dämmerte draußen und Johann hoffte, dass sie bald vorbeikäme, noch eine Stunde mit dem Fremden im Raum wäre nicht auszuhalten gewesen, doch… wenn sie kam, würde sie alles erklären können, wie immer.

Er fühlte, wie die Dämlichkeit seines Grinsens zurückkam und wandte sich um, um sein Gesicht vor den anderen im der Bar zu verbergen. Regentropfen rannen so vorsichtig die Fensterscheiben herunter, als würden sie unterwegs gefrieren, so blau wie ihre Augen. Gedanken an sie waren immer da. Wenn er aufwachte, war sie es, die ihn vom Handyscreen anschaute, ein Blick voller Freude an einem frühen Morgen. Am Mittag rief er kurz an, das durfte er, sie erwartete es von ihm und am Abend, aber nur wenn sie daheim war, allein, ohne Gatten, ebenso. Johann fühlte, wie sein Herz beim alleinigen Gedanken an einen Ehemannes vor Zorn bebte. Er hatte sie angefleht, ihn zu verlassen, doch sie hatte sich immer wieder abgewiegelt, hatte Gründe vorgeschoben wie ein Kleinkind und wie ebenso eines hatte Johann gefleht, geweint, gebettelt, doch sie war hart geblieben. Lachhaft, hart… sie war wie eine Sonnenblume im Sommerwind.

Der Mann mit den Füßen auf dem Tisch… mit dem war was faul. Nicht, dass Johann sein Vertrauen auf Vorahnung setzen konnte, aber in diesem Fall, in einem geschlossenen Raum ohne Aussicht auf sie, die da kommen sollte, schon vor 10 Minuten, es war ein ganz schlechter Zeitpunkt für genau diese Art Nervosität, die dies in ihm auslöste. „Heh“. Johann folgte der Stimme. Der Fuß-auf-dem-Tisch-Mann grinste ihn finster an. „Was machst du heute abend hier?“ fragte er. Johann zuckte mit den Schultern. „Warten? Und… Sie?“ das „Sie“ war signifikant leiser als geplant. „Meine Alte kommt vorbei. Will mir meinen Nachfolger vorstellen.“ Er grinste.

 Johann fühlte, dass ihm kalt ums Herz wurde. „So?“ fragte er. Sein Gegenüber nickte. „Die Alte denkt, dass ich ihm was tue, wenn ich nicht weiß, dass sie in guten Händen ist. Außerdem habe ich doch eine Art“ er beugte sich vor, „Mitspracherecht.“ Er lehnte sich wieder zurück. Wut flammte auf, hinterließ einen Fleck auf dem Verstand, der sich nicht wegwischen ließ. Er erinnerte sich an die SMS: „Komme 20 Uhr. Jemand will dich kennenlernen. Freu dich. HDL“. Worte konnten nicht mehr beschreiben, wie er nun sich fühlte, da war nur Kälte und, wenn er die Augen schloss, blendende Finsternis „Mitspracherecht?“ fragte er den Mann. „Dann werden wir schauen, wer der stärkere ist. Meine Alte und ich haben da so…“ er nahm einen Schluck vom Bier, rülpste und starrte Johann an. „ein Spiel.“ „Ein Spiel?“ fragte Johann. Der andere nickte. „Wir kämpfen. Wenn er gewinnt, ist sie mich los. Wenn ich gewinne, nun…“ er grinste. Die Faust fiel auf den Tisch, das Holz jaulte schmerzhaft, verstummte wieder.

 Johann nickte. Irgendwo hatte er doch… in seiner Jacke. Ja. genau. Passive Bewaffnung ist verboten, aber wozu hat man ein Teppichmesser. Bevor er tot war, war der andere dran. Notwehr. Ganz klar. Er konnte alles erklären, falls… „He“ rief der andere, „komm doch mal her.“ Johanns Muskeln erstarrten, er schluckte. „Wawarum?“ fragt er. „Weil du nicht gefährlich aussiehst. Deshalb. Meine Alte soll sehen, dass ich nicht nur“ er lachte „total menschenfeindlich bin. Naja, für ein paar Augenblicke.“ Er grinste. Wie von einem Puppenspieler gezogen, erhob sich Johann und schlurfte hinüber zu seinem neuen „Freund“. „Setz dich.“ befahl der Mann. Johann musste an die SMS denken. Deshalb hatte er noch niemanden aus ihrem Bekanntenkreis kennengelernt. sie hatte mit ihm gespielt, hatte ihn glauben lassen, dass er wichtig für sie wäre, bevor sie ihn heute Abend abservieren lassen würde. Der Typ sah in der Nähe noch viel gemeiner aus als aus der allzu-sicheren Ecke.

 „He, Kellner, ein Bier für meinen neuen Freund“ einige kurze Fauststöße auf den Oberarm später, die sicher zu blauen Flecken werden würden… blaue Flecke, bei Gott, das wäre das geringste Übel, aber mit gebrochenen Knochen aufzuwachen oder gar nicht mehr, tot in irgendeinem Gulli zu landen, zu verfaulen, nur weil eine Frau, ja, eine Frau, die er zu lieben gedacht hatte, bis zur Unendlichkeit der Zeit hinweg, nur weil sie ihn in eine Falle gelockt hatte.

 „Dein Handy“ sagte der Mann. Johann blickte auf. Der Bildschirm flammte auf, das Vibrieren durchströmte den Raum um sie herum. „Du willst nicht?“ fragte der Fremde. Johann schüttelte den Kopf. „Ach komm, so schlimm? Was mit ner Frau?“ er grinste. Langsam, aber sicher fühlte Johann, dass ihm dieses allumfassende Grinsen über wurde, immer debiler, dumpfer, bösartiger, als ob ein Clown mit seinen Innereien spielen würde, wütend und sadistisch. „Hey“ rief er. Der Mann war aufgestanden und hielt das Handy gepackt. „Hehe, Kleiner, eine SMS. „Ist meine Überraschung schon da?“ Was…“ Seine Augen starrten auf die Klinge, die in Johanns Händen lag, während ein Fluss von Blut über seine Kleidung lief, seine Arme hinabtropfte. Johanns Beine versagten. Das Messer knallte auf die Fliesen, während seine Knie beim Aufprall jaulten. Er blickte auf und sah den Berg von Mann, der verzweifelt versuchte, sich aufrecht zu halten, gegen einen Tisch knallte und diesen umriss, bevor auch er zusammenbrach

 Johann versuchte, das Röcheln des Sterbenden zu überhören. Das Handy klingelte in einer Lache von Blut und verstummte. Der Kellner würgte im Hintergrund, Schreie wurden laut. Die Tür öffnete sich. Johann blickte auf. Seine Sonnenblume. Seine Sonne. Sein Leben. „Deine Überraschung“ flüsterte Johann. Sie wankte zurück, Johann hörte, wie seine Stimme aufbegehrte. „Deine Überraschung“ das Brüllen kam von ganz allein, „deine beschissene Überraschung. Er sollte mich fertigmachen. Ich kenne euer Spiel.“ Ihr bleiches Gesicht bewegte sich panisch. „Mein Mann, er hat der Scheidung zugestimmt… das war die… Überraschung. Ich habe meinen Anwalt… oh Gott… Du hast… einen Fremden… einfach so… Oh Gott.“ Sie wandte sich um, die Hände vor dem Bauch verschränkt. Eine Gestalt schob sich an ihr vorbei, ging auf ihn zu und beugte sich zu ihm herunter. „Sie brauchen auch einen Anwalt?“ Johann nahm die Karte an sich, die ihm der Mann entgegenstreckte, konnte die Schrift nicht lesen, so sehr zitterte er, blickte auf, fragte „Was habe ich getan? Was soll ich tun?“ Der Anwalt grinste „Plädieren sie einfach auf Notwehr. So mach ich das auch immer.“