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Monat: März 2011

Postgroove

Postgroove

„Du hast da Quantenschaum in deinem Maul“, sagte Kapitan Strange. Man folgte dem Gedankenblitz durch den ausgesteckten Ringfinger und fand sich zwischen hohlkörperlichen Zähnen, eingesperrt in flaches Zahnfleisch wieder.
„Du redest Schwachsinn“, antwortete ihm sein treues Ross, „ich fühle nichts Entsprechendes in meinem Gesicht.“
„Das ist doch nicht wichtig“, teilte ihm Kapitan Strange mit, „aus meiner Position heraus“, er tippte in die Luft, „ist die filigrane Struktur des Raum-Zeit-Kontiuums in deiner Fresse eindeutig nachweisbar.“
„Fresse, soso“, giftete die scharlachrote Gestalt und fühlte mit seiner perlmuttfarbenen Hufe nach dem zugeworfenen Duellhandschuh. Sie schüttelte die regenbogenfarbene Mähne.

„Wo hast du deinen Sattel gelassen?“ fragte Kapitan Strange ernst. Er beugte sich nach unten und schaute seinem Sidekick von Kindestagen an tief in die Augen. Das war nicht leicht, wechselten diese doch ständig Ort und Farbe.
„Onkel Heisenberg hat ihn sich geliehen. Er sprach davon, Schrödingers Katze zu reiten.“
„Zuviel She-Man geschaut oder was?“
Die acheckige Gestalt nickte 11dimensional. Kapitan Strange fuhr sich mit dem Daumen über die Augen. Er war müde und gelangweilt. Er hasste Pre-Dienstage. Den Begriff für den Tag nach SOnntag hatte er bereits vor Stunden vergessen.
„Und was jetzt?“ deutete der Autor an und zuckte mit den Schultern. Kapitan Strange schaute aus dem Fenster und nickte. „Du solltest mehr schreiben, mein lieber Erzfeind. Schreiben verhindert, dass du durchdrehst.“

Das Dreihorn wieherte entzückt und tänzelte verwirrt umher. Kapitan Strange kicherte und begann, begeistert zu klatschen. „Hey Hey Hey“
Der Autor schüttelte seinen Kopf und beugte sich wild über das Manuskript. Buchstaben, Wörtern gleich, kicherten ihm fröhlich zu.

„Hey, Schreiberling“, sagte Kapitan Strange, „ist mein Oktopode nicht wunderbar musikalisch?“

„Nein“, antwortete ihm das Schaukelpferd, „das nennt man Postgroove.“

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Inspiration: http://www.youtube.com/watch?v=mb4LIN35tfc

Aus der Ewigkeit

Aus der Ewigkeit

Jeremya tastet sich vorsichtig um die Ecken seines gerade vor ihm aufgetauchten Schreibtisches herum. Winzige Staubpartikel fühlen sich durch seine Anwesenheit gestört, fliegen durch die abgestandene Luft und landeten in seiner Nase. Das donnernde Niesen fegt mit halber Schallgeschwindigkeit durch den Raum, wirft ein Echo. Er nickt. Metall überall. Sachlichkeit ersetzt stets Luxus. Fetzen von Luftballons schweben gravitationslos wie dunkle Flecken durch das trübe Licht einer beginnenden Dämmerung. Stille, nur unterbrochen vom sinnlosen Rauschen der kataraktartigen Informationsströme.

Knisternd setzt sein Fuß auf, drückt Papierklumpen zusammen, voller sinnloser Gleichungen, dahingeworfen von sich auflösender Tintenpartikel. Das Rascheln erinnert ihn an Finger, die durch Blätter streichen, an den Herbst, wann er auch immer das letzte Mal gewesen war. Gefühlte Jahreszeiten, das Sakrileg der Energieverschwendung. Genau wie zerfallende Pigmente und der Duft von Zimt, der aufsteigt, wenn man durch altes Biomaterial driftet. Nichts hält einen davon ab, Erinnerungen zu haben, doch auch hier: Energieverschwendung.

Jeremya ist sich nicht sicher, was zum Verlust des Lichts geführt hat. Protonen fallen nicht einfach aus. Licht verschwindet nicht einfach. Er tippt an die Decke, greift nach dem Streifen, aus dem bis vor wenigen Augenblicken nikotinfarbenes Licht strahlte. Nichts. Kein Licht, keine Wärme, nur Rauschen. Rauschen seines Pulsschlags, direkt im Ohr. Etwas schrammt an seinem Oberarm vorbei. Er greift danach, mehr Reflex als bewusste Entscheidung. Nur der Fetzen eines Luftballons, dessen fahle Erscheinung ihm augenscheinlich faszinierend und furchteinflößend vorkommt.

Stimmen „Glaubst du, dass wir in die Kabine können?“ „Nein. Du weißt doch, das Fenster.“

Erinnerung. Das Zimmer dreht sich vor seinem Auge, fokussiert den glitzernden Punkt in der Wand. Einige Augenblicke später wandern seine Augen über die haarfeinen Risse im metallverstärkten Glas, folgten seine Finger den herausgebrochenen Kanten, die in einem scharfzackigen Loch enden. Dahinter ein unendlich scheinendes Nichts. Leere ohne Horizont. Lichter flackern auf, vergehen wieder, erinnern an Sandkörner, die vom Meer verschlungen werden. Lichter von tausenden Sonnen, die eine ewige Nacht durchdringen.

„Ja. Das Fenster. Ich verdränge es noch immer. Jeremyas 31 Geburtstag. Meteoriteneinschlag im Fenster. Explosive Dekompression. Ich habe ihn gemocht.“

Die Stimmen entfernen sich. Und die schattenhafte Gestalt steht noch immer am zerborstenen Fenster, starrt hinaus in Rauschen der Ewigkeit.

© Emanuel Mayer (24.03.2011)

Musik dazu: http://www.youtube.com/watch?v=GX6siSHzJXY

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Kreischen ertönt. Die Kamera fährt auf die aufgerissenen Finger einer alten hand. Die Fingernägel sind brüchig und spießen sich in den Holzboden.
Schnitt auf das Gesicht eines alten Mannes, die Augen verdreht, der Mund halboffen mit blödsinnigem Grinsen. Sabber fließt zwischen den brüchigen Zahnwinkeln auf den Boden. Ein erneuter Schnitt sieht sieht den ganzen alten Mann auf dem Boden. Er zieht sich mit Knarrzen in Richtung eines nicht im Bild befindlichen objektes. Es ist ein alter ROllstuhl mit Rostspuren. Der Mann erreicht ihn, versucht sich hochzuziehen; aus dem Dunkel erscheint eine fette Krankenschwester, beugt sich hinunter und zieht dem alten Mann seinen Rollstuhl weg. Dabei lacht sie schallend.
Die Blicke des gebrochenen alten Mannes sind verletzt, die Frau schaut auf ihn hinunter und sagt: „Tja, alter Mann. Hätten Sie doch eine Privatversicherung der FlatLux abgeschlossen.“, sie blickt auf die Kamera, direkt auf den Zuschauer und lächelt sanft: „Ich habe.“ Umblendung auf die Internetadresse von FlatLux  und eine kostengünstige Telefonnummer (0900 – xxx yyy – zzz)

Ausblenden.

Bernd Fux dreht sich mit einem wissenden Lächeln zum Vorstand von FlatLux um, „Wer würde denn nicht?“

Black Metal Cowboy – Tote spielen keinen Techno – Kapitel 12

Black Metal Cowboy – Tote spielen keinen Techno – Kapitel 12

Kapitel 12 – Finale und Epilog

Die Klingen schneiden unter dem Klirren einer gesprungenen Saite durch die Dämmerung. Der Cowboy hält gegen, seine Gitarre prallt funkensprühend gegen, die Schwerter seines Gegners. Eine Gruppe von weissgekleideten Menschen hat eine Arena gebildet und singt leise. Das Summen ihrer Stimmen versetzt den Bereich in eine sonderbare Schwingung. Der Cowboy wirkt geschwächt, ritt er doch vor einer halben Stunde in das Camp, bereit, dem vorgezeichneten Pfad zu folgen. Er folgte dem Buch und dem Befehl.

Mabuse lachte, als die Gestalt nahte, abstieg. Er trat vor die Türe seiner Baracke, die beiden Bücher in den Armen, die verzerrten Bilder einstiger Gesichter dem erwachten Toten zugewandt. „Dein letzter Gegner, mein Junge.“

Sigmund starrte auf das bleiche Wesen. Er nickte. Schweiß tropfte von seiner Stirn. Seine Augen juckten.

Dann ging alles Schlag auf Schlag. Den ersten Hieben wich der Cowboy aus, eine Art träumerische Eleganz bewegte ihn. Er zeigte die Haltung einer Marionette, an unsichtbaren Fäden geführt, um Verderben zu säen.

Ein Doppelstich trieb ihn zurück. Verwundert blickte er nach unten, als schwarze Reste einer ehemals lebenden Masse aus seinem Leib zu ragen begannen. Schwindel überfiel ihn und erkannte seit all den Jahren das erste Mal wieder das Gefühl von Angst. Aber warum?

Der Platz füllte sich, immer mehr Menschen liefen in einer mathematisch bizarren Form auf den Platz um die beiden Kämpfer, jede einzelne Person mit leuchtenden Augen und einem Lied auf den Lippen. Furchtbare Krämpfe befielen ihn, Schmerz loderte auf wie ein alter Bekannter. Er sah vor seinem inneren Augen die Augen eines Kindes, blau und leuchtend, voller Tränen. Ein letzter Hieb schickte ihn zu Boden. Mabuse lachte noch immer, als er sich ihm näherte.

„Sie sind kein Gegner für meinen Krieger des Lichts. Er schwitzt noch nicht einmal“

Sigmund näherte sich. „ich habe Mitleid mit ihm.“ Mabuse schüttelte den Kopf. „Er ist nur ein böses Wesen. Du hast ihn besiegt. Nun vernichte ihn.“

Er drehte sich um, als er hinter sich ein Knurren vernahm. Grimm, der Hund, betrachtete ihn in bodenlosen Hass. „Drecksköter“, meinte Mabuse, trat zu. Grimm wich aus, bellte, beobachtete seinen Feind. Dann biss er zu.

Mabuse liess die Bücher fallen und flucht laut. Er warf mit den Büchern auf das Tier, bemerkte es und sprang hinterher. Beide krachten auf den Boden, Dreck stieg auf. Er griff danach, schrie auf. Im sich verziehenden Staub erkannte er das Gesicht eines fremden, wettergegerbten Mannes, der zornig den Kopf schüttelte. „Die sollen mal das unter sich selbst ausmachen.“ sagte Sheriff Lester Wintersorrow.

Die Gestalt des Cowboys rührte sich wieder. Er stand auf und beugte sich über die Gitarre, hob sie auf. Der junge Mann ihm gegenüber spuckte in den Sand. „Ich brauche keine Hilfe, um das Böse zu besiegen. Ich bin auserwählt.“

Immer wieder und wieder zucken die Klingen durch die Luft, ein Hauch von Dämmerung schwebt durch die Finsternis. Gesänge werden leiser, verstummen. Jemand schreit. Panik materialisiert sich in den Gesichtern der Gruppe. Sie drehen sich um, geraten aneinander, kreischen sich an. Sie laufen in den beginnenden Tag.

Die Hiebe des Techno-Ninja werden schwächer, unkonzentrierten Schläge landen auf dem Hals der Gitarre, rutschen ab, verhaken sich. Er keucht. Sein Stirnband hat bereits den Geist aufgegeben, liegt im Dreck. Die Mutation, die einen direkten Zugang seiner Zirbeldrüse zu seinem ausgeprägten dritten Auge bietet, hat aufgegeben.

Zuviel Energie saugt die schwarze Gestalt aus dem einstigen Lichtbringer. „Nein“,

brüllt Mabuse, als der Cowboy sein Gesicht abnimmt. Atom für Atom löst sich der Ninja auf, gleich einem verqueren Puzzle. Ein Schrei, dann wird der nachtgleiche See im Gesicht des Cowboys wieder still. Er wendet sich Mabuse zu, zerrt ihn nach oben und verfährt gleich.

Er zeigt auf den Sheriff, der panisch zurückweicht.

„Nein“, eine leise Stimme durchbricht das verängstigende Szenario. Der Alte nähert sich. Der Cowboy erstarrt in seiner Bewegung. „Nein“, sagt der Alte wieder. „Nimm mich und lass sie gehen.“

„Vater, wieso tust du das?“

Der Alte dreht sich um. „Weil er dein Großvater ist, mein Sohn. Wir sind von seinem Blut. Und er hat dies alles nur getan, damit er das Buch bekommen kann, damit er endlich frei wird. Ich habe damals, vor all den Jahren seinen Körper in Stein gebannt, damit er keinem mehr wehtun konnte. Ich, ich kleines Kind, kaum des Lesens fähig, habe ihn in die Finsternis verbannt. Ich muss die Verantwortung übernehmen.“

Er hebt vor dem fassungslosen Blick seines Sohnes die Bücher auf und hält sie seinem Vater vor das nachtschwarze „Gesicht“. Ein Schrei und er ist verschwunden. Ein Zucken durchläuft die Glieder des dunklen Mannes. Knochen knacken, das Zwitschern von Gelenken, die sich in Staub verwandeln, dann hört man nichts mehr.

Die Kleine tritt aus der Dunkelheit hervor. Sie wirkt verängstigt, Sheriff Lester Wintersorrow hofft, dass das Mädchen keinen psychologischen Knacks mitgenommen hat. Der Schock sitzt auch in seinen Verstand. Das Mädchen packt seine Hand. „Suchen wir jetzt Mutti?“ fragt Sie und schaut ihn an. Er nickt. „Ja, wir suchen deine Mutti.“ Die Sonne geht auf. Der Wind wird alles wegwehen, wenn er genug Zeit dazu hat.

Epilog

Eine Gestalt fällt kreischend durch Wolken, schlägt dumpf auf. Der Boden ist weich wie Gummi oder, schlimmer noch, Fleisch. Augen betrachten ihn, menschliche und andere. „Du bist neu hier?“ fragt eine Stimme. Er nickt. „Kannst du Kämpfen?“ er nickt wieder, stützt sich auf seine Schwerter auf, die sich einige Zentimeter in den Boden gebohrt haben. „Wo sind wir?“ Die Wesen um ihn herum schauen sich an, fast hört er ein Kichern. „Du bist durch das Portal gekommen. Schau mal, da kommt noch einer.“

Mabuse starrt in die Runde. „Ist das die Hölle?“ fragt er. Einige der Gestalten nicken, andere zucken mit den Schultern. „Nein,“ sagt eine Stimme. Er wirbelt herum und sieht den Alten mit den beiden Büchern in den Händen. „Nein, das hier ist nicht die Hölle. Es ist nur die Welt, die mein Vater erschaffen hat mithilfe der Bücher. Vielleicht bauen wir hier etwas neues auf, wo auch immer wir sind.“

Mabuse lacht und greift Sigmund bei den Schultern. Der Fuß landet direkt auf seinem Solar Plexus. „Lass das, alter Mann. Keine Zeit zu reden.“ Sie nicken. Im Hintergrund hört man das Brüllen einiger Wesen, die die neuen Besucher begrüßen. Stampfend nähern sie sich. Siegmund hebt die Klingen. Er fühlt den Rhythmus durch seinen Körper gleiten. Er lächelt „Immerhin spielen sie hier Techno.“

(ENDE)

Black Metal Cowboy – Tote spielen keinen Techno – Kapitel 11

Black Metal Cowboy – Tote spielen keinen Techno – Kapitel 11

Kapitel 11 – Überraschung!

murmelt der Alte, als der Rauch sich verzogen hat und einen etwas besseren Blick erlaubt. „Schau“, sagt er und zeigt auf das Lager der Gemeinschaft, in dem dutzende Personen, winzigen Lichtern gleich durch die Gegend eilen, vorbei an Gebäuden, die an alte „Beetle Baily“-Comics erinnern. Gelächter unzähliger Kehlen tröpfelt langsam durch die Nacht. „Eine Falle“, flüstert Sheriff Wintersorrow. Sein Vater nickt. „Du wusstest es?“ „Nein, aber diese Typen waren doch…“

Niemand sagt etwas. „Was wird mit dem Cowboy-Mann?“ Sheriff Wintersorrow bückt sich, nimmt das Kind in die Arme und schweigt. „Sollen wir ewig warten? Die haben Mama. Und der komische Mann da, der war auch lustig.“ Sie deutet auf das Lager.

„Überwältigt. Das sind einfach zu viele und sie haben auch noch das Buch.“

Sein Vater schweigt wieder. Er hat wenig gesprochen, seit sie aus dem Auto geworfen wurden. Ein Befehl, hinausgezerrt in die Finsternis. „Ihr seid uns im Weg.“ hatte Matt gesagt und freudlos gelächelt. Dann waren sie, nur mit Abblendlicht weitergefahren, ein paar dutzend Meter vor dem Gelände zum Stehen gekommen. „An einer Stelle haben sie eine Lücke in ihrer Überwachung. Mein Kontakt hat mir einen Plan geschickt.“

Eine Wand aus Licht hatte sich heulend in den Himmel gebohrt. Grelle Blitze, Sirenen und Geschrei, überall. Eine Menschenmenge hatte sich in Windeseile um die Angreifer versammelt, eingeschlossen, überwältigt. Mehr war nicht zu sehen. Jubel hatte sich augenblicklich aufgebäumt, war langsam wieder versiegt. Sie hatten das Buch. Sheriff Wintersorrow wusste es einfach. Ein Gefühl bohrte sich durch seine Eingeweide: eine Falle, um das Buch zu bekommen.Mehr war es nicht gewesen. Diese Hipster glaubten einfach alles, was sie glauben wollten. Das Buch… war weg.

„Das Buch…“

„ist weg, Vater.“

„…ist nicht wirklich wichtig, Sohn.“

„Wie?“

„Nichts. Wir machen uns auf den Weg und erwarten…“ er lächelte finster “ und erwarten das Schicksal.“

„Vater, deine Sprüche machen mir Sorgen.“ er kratzt sich am Kopf und setzt seinen Hut auf.

„Opa, woher kennst du den Cowboy-Mann?“

Der Alte lächelt ihr zu. „Soll ich dir mal eine Geschichte erzählen?“ Die Kleine klatscht in die Hände. „Ja, eine Geschichte und dann befreien wir unsere Freunde!“